Zerstören störende Trolle sterbende Medien?

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Freche Medien-Nutzer und -Nichtsnutze: Leser als Störer, die den Profis auch noch die Zunge zeigen. (Foto: Georg Schemainsky/pixelio)

Todesstoß trotz Traffic: Ausgerechnet der Austausch zwischen Laien und Redaktionen über Social Media bzw. Blogs sei medienhistorisch neu“ und werfe zwei Überlebensfragen für die Branche auf. Nämlich erstens wie Beschäftigte in Print, Funk, Fernsehen mit diesen „Störern, sogenannten Trollen“ umgehen und zweitens ihre Arbeitgeber die Inhalte aus sozialen Netzwerken ins eigene (Online-)Angebot kanalisieren sollen. Dies wollen uns zwei neue Journalismus-Studien weismachen, die die Landesanstalt für Medien (LfM) aus Nordrhein-Westfalen jetzt in Berlins Bundespressekonferenz vorgestellt hat. Dialoge mit dämonischen Wesen – ob Riese, Kobold, Wicht noch Zwerg – dürften uns zwar hier nicht weiter dräuen bzw. jucken, jedoch die dort angekündigten erheblichen inhaltlichen, produktionellen (sic!), aber auch ökonomischen Herausforderungen“ durchaus. Grundsätzlich kann ich das Gejaule jener Jobber, die einst „irgendwas mit Medien“ (und Menschen) machen wollten, eigentlich nicht mehr hören. Diesen Störern sei ins Stammbuch geschrieben: Zu Lieferungen und Leistungen, die ihre Relevanz verlieren, sagen Abnehmer irgendwann zurecht „goodbye“ statt „good buy“.

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Sprache abseits der barriere- und bürokratiefreien Zone

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Sprachlos im Labor statt schlaflos in Seattle: Isabel Rink, Anna-Katharina Berg, Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz in der Textklinik, wo Studierende versuchen, etwa Erbrecht-Informationen in (leichte) Sprache zu übersetzen, was schon ziemlich lustig klingt. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Sprache als Schrecken erregende Verlautbarung: Keine Angst, falls Sie nur böhmische Dörfer sehen und nichts verstehen. Die Kommunikation unserer Behörden liefert regelmäßig erheiternde Beispiele, wenn Unverständlichkeit zur Witzproduktion herhalten muss. Dann eröffnen Wort- und Satzungetüme eine Spielwiese für Sprachlosigkeit, die Kopfschütteln und Kichern begleitet. Besonders gefordert sah sich jetzt endlich unser Bundesjustizministerium, den eigenen Textausstoß kritisch unter die Lupe nehmen zu lassen. Damit beauftragt war die Medienlinguistik-Professorin Christiane Maaß von der Universität Hildesheim, die angesichts von Formulierungen wie „Anregung zur Einrichtung einer Betreuung“ zu der phänomenalen Erkenntnis kommt: „Verwaltungstexte sind schon so in Ordnung (Anm. d. A.:…, weil) Teil des juristischen Diskurses. Aber sie dürfen nicht allein stehen. Sie bedürfen einer Verständlichmachung (sic!) für Nicht-Experten.“ Also Originaltext plus Übersetzung, einmal in Bürokratisch und einmal in Deutsch? Diesen Rat verstehe, wer will. Aber Frau Maaß lebt davon. Gutes Geschäftsmodell, von dem ich selbst profitiere: Denn ob Firma, Ferwaltung oder Finne – wer will schon nicht verstanden werden? Finanzminister Schäuble ganz bestimmt nicht. Und der genannte Skandinavier hat zwar durch sein possierliches Wesen unsere volle Aufmerksamkeit, doch auch unbestritten seine Schwierigkeiten sich uns in seiner Landessprache mitzuteilen, wenn einfaches „sich verständlich machen“ dort schon „saada itsensä ymmärretyksi“ heißen muss.

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Führung fehlt Personal mit biss(chen) Anspruch

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Führen, herrschen, Zähne zeigen: Ziemlich beste Freunde des Menschen zeigen, wie wackere Racker die Personalentwicklung regeln. Foto: Bernd Kasper/pixelio.de

Die Führung von Chefs durch Mitarbeiter fundiert bewertet zu finden, und dann auch noch an einem Tag gleich zwei Mal in aktuellen Studien mit quasi entgegengesetzten Botschaften, ist hier selbstverständlich der Rede wert im Medium für Visionäre, Strategen und Umsetzer. Also vor allem für Helden der Wirtschaft. Wir widmen uns gerne Vorbildern, was schließlich den Appell an alle anderen Kapitäne beinhaltet, mit Bedacht den richtigen Kurs einzuschlagen. Zumal „Leadership“ etwas aus der Mode geraten zu sein scheint. Trotz des Mangels und somit des Bedarfs an Orientierung. Ein Führer sei jemand, der Hoffnung vermittele, behauptete Bonapartes Napoleon, obwohl selbst darin nicht sonderlich erfolgreich. „Führer“ sind hierzulande historisch bedingt verpönt. Damals wie heute funktionieren sie grundsätzlich weder als Schaumschläger noch als Schleicher. „Vorgesetzter“ klingt aufgesetzt, trifft’s aber oft. Was zeichnet gute Chefs aus?

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Ein Traum aus Schaum

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„Schaum besteht aus Luftblasen, die von dünnen Flüssigkeitsfilmen – den Schaumlamellen – umgeben sind,“ beschwichtigt zu Beginn der brandneue Bericht mit geballten, geradezu ballonrunden Ergebnissen über „Proteinschäume in der Lebensmittelproduktion“, dessen Titelseite die komischen Kugeln oben bebildern. Diese kleinen Kugeln seien quasi weit verbreitet in unseren Mägen. Und zwar durch zahlreiche Nahrungsmittel, „mit denen Konsumenten einen hohen Genusswert assoziieren“: Brot, Biskuit, Desserts wie Mousse, Cappuccino, Eiskrem und Schlagsahne oder auch – seitdem sie nicht mehr als „Mohrenköpfe” oder „Negerküsse“ bezeichnet werden dürfen – eben bestbenannte „Schaumküsse“ mit Schokoladenüberzug. Forscher fassen in dieser soeben erschienenen Studie die zentralen Ergebnisse ihrer drei Jahre währenden Arbeit im „Clusterprojekt“ zusammen, was hier am Hort für Interesse an Innovationen sofort beleuchtet werden will, besonders wenn die begleitende Pressemitteilung starke Aufmerksamkeit erzeugt durch den Satz: „Doch bislang erfolgt das Schäumen von Lebensmitteln vorrangig nach dem Trial-and-Error-Prinzip.“ Wie bitte?!

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Marketing traut Daten nicht

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Marketing-Bermuda in Blau: ein im Nichts endender Daten-Tunnel.

Von der Qualität der Daten waren die Hälfte der befragten Entscheider im Marketing von Unternehmen nicht überzeugt, ergab eine Untersuchung der Kommunikationsberatung Hotwire, wenn auch nur unter 100 Teilnehmern. Zwar nutzen insbesondere größere Firmen mit 80 Prozent mehrheitlich marketingrelevante Informationen für ihre Strategie und Planung. Doch obwohl sich die Verantwortlichen mit 97 Prozent Befürwortern grundsätzlich als versiert im Umgang bezeichnen, zweifeln an den Zahlen mehr als die Hälfte von ihnen (Foto oben: Markus Vogelbacher, pixelio.de). Dies meldet der Haufe Verlag heute online und nahezu exklusiv, denn Hotwire selbst scheint die Daten versteckt zu halten, weil die Studienresultate wenn auch nach nicht allzu intensiver Google-Recherche sonst aber nur noch im “PR Report” zu finden sind. Blöd, wir hätten gerne mehr Daten erfahren.

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Messe zur Marke – optimaler Stand als Maß

MessestandFür prima Präsenz pätscheln Profis im sogenannten Live-Marketing an vier Gestaltungshebeln: Mit Hilfe von Form, FarbeRaum und Bewegung seien die Wahrnehmung und die Wirkung eines Messestands positiv zu beeinflussen, folgert Dr. Beatrice Ermer aus Untersuchungsergebnissen. Ihre Dissertation enthalte „für die Optimierung letztendlich multi-sensual ausgerichteter Messestände wertvolle Hinweise“, lobt Prof. Manfred Kirchgeorg vom Lehrstuhl für Marketingmanagement der HHL Leipzig. Allerdings liefert ausgerechnet Messebauer „Fairnet“, ebenfalls Leipzig, dazu ein Foto (oben) vom eigenen Messestand, der sich hübsch hinter Grashalmen versteckt und menschenleer wie kalter „urban jungle“ im Kleinformat wirkt.

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Der Wert der Werte in der Unternehmensführung

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Gelebte Werte in der Unternehmensführung steuern besser „als nackte Kennzahlen“, behauptet die Universität Witten/Herdecke in einer Einladung zum dortigen Symposium des Reinhard-Mohn-Instituts (RMI) am heutigen Dienstag. Nun nutzt der Termin zwar leider nur Kurzentschlossenen, doch die Botschaft der dort vorgestellten Untersuchung klingt nach Dauerhaftem. Für die Studie, die im Auftrag der „Wertekommission – Initiative Werte Bewusste Führung e.V.“ (sic!) entwickelt wurde, befragten die Forscher 350 Manager aus verschiedenen Hierarchieebenen von Unternehmen. Ein Ergebnis:  Werte im Unternehmen dienen als Orientierungshilfe für Mitarbeiter, die zunehmend eigenverantwortlich arbeiten müssen. Klar, wir denken sofort an ein Schiff, auf dem der Kapitän anhand des Kompass (im Bild; Foto: DL Consulting/pixelio.de) den Kurs vorgibt. Nur rudert die Besatzung heute nicht mehr stumpf und stumm nach Trommeltakt und mit Peitschenhieben. Für die Fahrtrichtung müssen mittlerweile mittels interner Kommunikation möglichst alle mitgenommen werden. Auch Kunden interessiert, wohin es geht. Anders formuliert:

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Apple: iPhone 6 ersetzt Kreditkarte

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Schlagzeilen über Apple ziehen immer, hoffen so wie ich womöglich auch die Verfasser von Pressemitteilungen der Universität Augsburg – statt Vertrauen in die Strahlkraft ihres Leiters der „Forschungsgruppe wi-mobile“ mit dem immerhin interessanten Namen Dr. Key (!) Pousttchi (!!) zu legen, um das vermutlich eher unbekannte Gesicht vor der, na ja, „Skyline“ ausgerechnet von – nennen wir es mal – „augmented“ Augsburg von dem mindestens ebenso schön benamsten Foto-Urheber Klaus Satzinger-Viel (sic!) ablichten zu lassen. Puh. Dann schiebt man dem Professor ein Bonmot in den Mund beziehungsweise noch ein knackiges Zitat wie dieses vorweg: „Das Marketing für Endkunden wird sich in den nächsten fünf Jahren mehr verändern als in den 40 Jahren davor.“ Um schließlich ein fünfphasiges Fragen-Feuerwerk zu zünden, damit faule Redakteure das angebotene Interview mühelos ins Medium hieven können.

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Einkaufsverhalten: Konsumlust steigt mit Distanz

Kaufverhalten

Kontakt als Konsumlustkiller im Einkaufsverhalten: Gewinnt das Onlineshopping womöglich immer mehr Freunde, weil im Gegensatz zum stationären Handel hier auch unbelästigt von Fremden das Stöbern möglich ist? Der Eindruck entsteht angesichts der Ergebnisse eines Forschungsprojektes, in dem Michael Luck – hier im Bild von Edeltraud Altrichter/Uni Rostock – den „Einfluss fremder Menschen auf das Kaufverhalten zwischen den Regalen im Supermarkt“ untersucht hat. Falls die hölzerne Regal-Wand im Fotohintergrund allerdings die Anmut des Forschungslabors wiedergibt, wundern die ernüchternden Ergebnisse mit Belegen für Konsumhemmnis bzw. -frust wenig, denn ein halb fertig aufgebautes und erfahrungsgemäß dem Umfallen zugeneigtes Steckelemente-System der Modellmarke „Ivar“ aus der Ikea-Aufbewahrungsserie, lieblos bestückt mit Salzstangen und Butterkeksen, dürfte unabhängig von Umstehenden kaum Impulskäufe auslösen.

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