Sechs namhafte Partnerunternehmen haben jetzt eine gemeinsame Initiative gegründet, um die Zukunft der Elektromobilität über eine kundenfreundliche Datenplattform zur deutschen Ladeinfrastruktur aktiv zu gestalten. Mit BMW, Bosch, Mercedes-Benz, Energie Baden-Württemberg (EnBW), RWE und Siemens mischen namhafte Unternehmensmarken mit. „Na endlich“, möchte man verhalten gratulieren.
Denn der Schulterschluss (im Bild links: die Vertragsunterzeichner der Unternehmen) scheint überfällig, weil sich die hiesige Industrie aus Automobilisten und Energieversorgern bislang spürbar schwer getan mit dem Entwickeln dieses neuen Marktes. Nicht von ungefähr titelte „Zeit online“ einen Beitrag über alternative Antriebe „Leitmarkt Deutschland? So nicht“ und endete mit der Warnung: „Deutschland läuft die Zeit davon.“ Und auch der deutsche Autopapst Prof. Ferdinand Dudenhöffer vom „Center Automotive Research“ (CAR) übte schon scharfe Kritik an der Förderpraxis der Bundesregierung bezüglich Elektromobilität: Für Deutschland werde es nicht einfach, bis zum Jahr 2020 eine Million E-Fahrzeuge auf die Straße zu bringen. „Da müssen wir deutlich schneller werden, sonst ist das nicht zu erreichen“, prognostiziert der Branchenexperte.
Warum fehlt im neuen Gemeinschaftsunternehmen „Pro Elektromobilität“ eigentlich der größte deutsche Player? Der Volkswagen-Konzern mit seinen Marken VW, Audi, Seat, Skoda, VW-Nutzfahrzeuge, Bugatti, Bentley, Lamborghini und Scania kocht entweder sein eigenes Süppchen oder hat kein ernsthaftes Interesse, in Deutschland mit als Zugpferd die Zukunft zu gestalten.
Kein Wunder, dass Greenpeace die Wolfsburger auf „der dunklen Seite“ der Macht vermutet und dafür eigens eine eigene Kampagne ins Leben gerufen hat. Dort heißt es grenzüberschreitend: „Unsere Heimat ist in Gefahr. VW bekämpft zwei wichtige europäische Klimaschutzgesetze: strengere Emissionsziele und scharfe CO2-Grenzwerte für Autos.“ Die Verbündeten der Greenpeace-„Rebellion“ fordern VW auf, „unserem Planeten eine Chance zu geben“. Das Ganze ist sehr professionell aufgezogen - schauen Sie selbst auf die dunkle Seite der Macht:
Ein anderer, ebenfalls fataler Aspekt: Die deutsche Industrie droht auch technologisch den Anschluss zu verlieren und Zukunftschancen zu verspielen. Wie zuletzt eine Studie (PDF-Download) eindrucksvoll belegte: Rund 75 Prozent der im vergangenen Jahr für Elektro- und Hybridfahrzeuge veröffentlichten 1 151 Patente gingen auf das Konto japanischer Konzerne. Daimler, BMW und VW sind zusammen mit 7,5 Prozent weit abgeschlagen und müssen sich Neuerungen womöglich teuer von der Konkurrenz einkaufen. Französische Autobauer wie Renault werben dagegen schon sehr offensiv mit ihren Elektromodellen:
Dieses Internet-Tagebuch begleitet Entwicklungen aus der Welt der Märkte und Marken. Gelenkt ist der Blick aus einem besonders anstrengenden Betrachtungswinkel. Gerichtet auf das bunt schillernde Marketing als ganzheitliche Disziplin der kundenorientierten Unternehmensführung. Dabei darf das Entstehen von neuer Theorie und Praxis genauso vorkommen wie tolle Erfindungen, pfiffige Geschäftsideen oder sensationelle Services - aber eben auch katastrophales Kundenmissmanagement. Die Leser und der Autor sind gleichsam interessiert an merkwürdigen Moden, tiefgreifenden Trends und zukunftsweisenden Innovationen. Kurzum: Es geht um Erkenntnisse, die mindestens inspirieren und bestenfalls Nutzen stiften ohne in Form und Inhalt wie schwer verdauliche Wissenschaftskost daher zu kommen. In Anlehnung an den Autor (im Bild) trägt dieses Tagebuch den Titel "Garbers Gazette". Diese veraltete, heute eher ironische Bezeichnung für eine Zeitung deutet an: Dieses Blog treibt vor allem Humor als Haltung - mitunter sogar Schabernack. Vermutlich wagen wir auf dieser Basis den Blick in die Zukunft eher mit Optimismus. Das Leben ist schließlich schon schwierig genug. (Foto: Bernd Hegert)
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