Die Hoffnung obsiegt über das Schwarzsehen hoffentlich auch, wenn an dieser Stelle unwiderlegbare Beweise für den Fortbestand der Erdbevölkerung mühsam herbeigeschafft werden, um Optimismus im Lesevolk zu säen. “Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei”, taugt eben allenfalls zum Karnevalshit (wobei Sie im letzten Wort des Satzes nach Belieben einen Trennstrich vor oder hinter das s setzen dürfen).
Denn während manch einer befürchtet, der Weltuntergang sei nahe, weil am 21.12.2012 der Mayakalender endet, sehen Wissenschaftler begründet unbegründet Verschwörungstheorien und Internetgerüchte auf die Menschheit niederprasseln. Ob auch hier wir Deutschen wieder Weltmeister der Apokalypsen-Vorhersehung sind – dazu fehlt derzeit noch ein internationaler Vergleich. Aber zu Ihrer Beruhigung hier erstmal etwas Musik mit ein paar aufmunternden Bildern zur Schönheit der Natur (und – jawoll! – des Lebens), damit Sie sich auch in aller Form und Würde quasi probeweise von der Welt verabschieden können:
Quatsch und papperlapapp! Fest steht vielmehr dagegen, dass unser neues Jahr 2012 prächtig auftaktet mit einer Reihe von Wiederbelebungen alter Marken. Und mal ehrlich: Würden Unternehmen zu Jahresbeginn wirklich so viel Geld in die Hand nehmen, um Asbachuralt-Brands zur Auferstehung zu verhelfen, wenn in zehneinhalb Monaten alles vorbei wäre?
Die Marken-News im neuen Markenportal künden jedenfalls allein im Januar von vier traditionellen Kult-Ikonen, die ambitionierte Hersteller wieder zum Leben erweckt haben. So berichtet eine Meldung vom 3. Januar über den ehrenwerten Marken-Relaunch der WMF Gruppe, die eine Neupositionierung der Marke Petra an der Seite der ebenfalls nahezu adeligen Brand Princess versucht. Begründung: Mit ihrer über 40-jährigen Markenhistorie und einer über 30-prozentigen Markenbekanntheit verfüge die Marke Petra “über eine hervorragende Basis für zukünftiges Wachstum”. Good luck!
Wenig später im Januar zeugt eine Mitteilung davon, dass die geschichtsträchtige Motorradmarke Horex nach 50 Jahren wieder den Markteinstieg wagt und beim Marken-Revival mit einem schnittigen VR6-Roadster für Sechszylinder-Fans durchstartet.
Gar zum Doppelschlag kommt es dann am 31. Januar: Zuerst zapft der nicht gerade durch einen hohen Bekanntheitsgrad auffällige Getränkegroßhändler Bernard Henze aus dem bescheidenen norddeutschen Örtchen Achim ein gar nicht so kleines Fass an, indem er seinen Traditionsmarken-Rechten an ”Hemelinger Spezial” nicht nur vorher dergestalt Leben eingehaucht hat, weil er durch pfiffig-auffällige Werbung für Aufmerksamkeit gesorgt und mit neuen Sorten auf den Markt gedrängt ist, sondern nach Auslaufen des Produktionsvertrages mit der Haake-Beck-Brauerei in Bremen, nun trotzig mit der Herstellung des Traditionsbieres künftig dem Hofbrauhaus Wolters in Braunschweig beauftragt. “Puch schickt wieder Räder ins Rennen”, heißt es am gleichen Tag über einen weiteren Coup: Josef Faber, Importeur von namhaften italienischen Brands wie Vespa, Gilera, Piaggio und Moto Guzzi, habe die alte Marke gekauft und lasse unter diesem Namen E-Bikes und Fahrräder in Frankreich produzieren.
“Aaaaber”, mögen Skeptiker und Mayaanhänger einwenden, “dafür ist doch im Gegenzug die bekannte Drogeriemarktkonzernkette Schlecker vor die Wand gefahren.” Na ja, halte ich zweierlei dagegen: Zum einen versuchen die Kinder noch “das Erbe von Anton” (diesen Titelschutz beanspruche ich!) zu retten, zum anderen scheint mir fraglich, ob irgendjemandem Schlecker fehlen wird, wenn er doch zu dm gehen kann. Oder Rossmann. Oder Müller.
Dieses Internet-Tagebuch begleitet Entwicklungen aus der Welt der Märkte und Marken. Gelenkt ist der Blick aus einem besonders anstrengenden Betrachtungswinkel. Gerichtet auf das bunt schillernde Marketing als ganzheitliche Disziplin der kundenorientierten Unternehmensführung. Dabei darf das Entstehen von neuer Theorie und Praxis genauso vorkommen wie tolle Erfindungen, pfiffige Geschäftsideen oder sensationelle Services - aber eben auch katastrophales Kundenmissmanagement. Die Leser und der Autor sind gleichsam interessiert an merkwürdigen Moden, tiefgreifenden Trends und zukunftsweisenden Innovationen. Kurzum: Es geht um Erkenntnisse, die mindestens inspirieren und bestenfalls Nutzen stiften ohne in Form und Inhalt wie schwer verdauliche Wissenschaftskost daher zu kommen. In Anlehnung an den Autor (im Bild) trägt dieses Tagebuch den Titel "Garbers Gazette". Diese veraltete, heute eher ironische Bezeichnung für eine Zeitung deutet an: Dieses Blog treibt vor allem Humor als Haltung - mitunter sogar Schabernack. Vermutlich wagen wir auf dieser Basis den Blick in die Zukunft eher mit Optimismus. Das Leben ist schließlich schon schwierig genug. (Foto: Bernd Hegert)