Branding-Contest für die zweite Erde

Wissenschaftler aus Göttingen und Washington haben 22 Lichtjahre von unserer Erde entfernt einen möglicherweise bewohnbaren Planeten entdeckt. „Diese Super-Erde bietet gute Voraussetzungen für die Existenz von flüssigem Wasser und von Leben, wie es auch auf der Erde vorkommt“, erklärt Dr. Guillem Anglada-Escudé von der Universität Göttingen als einer der Leiter der Studie. Ach, hätten die Forscher das doch für sich behalten!

Denn nun steht zu befürchten, dass wir so weitermachen wie bisher, weil wir in der Hinterhand ja eine Ersatzerde haben. Schließlich warnte jüngst im Interview noch Eberhard Brandes, Vorstand des World Wide Fund for Nature (WWF) Deutschland, niemand könne sich den drängenden Problemen verschließen, die seine Organisation im Naturschutz anspricht und anprangert: “Wir bräuchten für unseren Lebensstandard in Deutschland heute schon drei Planeten. Im weltweiten Schnitt immerhin noch zwei Planeten. Wie soll das gehen?” Ich hoffe doch nicht, dass irgendwer auf die Entdeckung anderer Erden hofft.

Gottseidank entspricht die Distanz zu unserer Erde von 22 Lichtjahren rund 209 Billionen Kilometern. Bewusst hat sich der nun bloßgestellte Planet also offenbar einen Sicherheitsabstand zu uns gesucht. Sein Glück! Aber wie lange noch? Nachhilfe könnte die angebliche Super-Erde allerdings noch im eigenen Branding gebrauchen. Die Wissenschaftler haben ihr nämlich die Bezeichnung “GJ 667Cc” verpasst. Herrje, wie langweilig. Geneigte Leser rufe ich hiermit zu einem Markenamenswettbewerb auf: Wie soll unsere zweite Erde heißen? Meine Vorlage: Zielführend wäre vielleicht schlicht “Eden” mit dem Claim “Das letzte Naturreservat” und dem Warnzusatz: “Betreten verboten!”

Vermutlich wäre es sowieso besser, unsere Erde würde von friedlichen Außerirdischen (“ganz Liebe”) besetzt, was Steven Spielberg bekanntlich 1977 schon durchgespielt hat, wobei der geheimnisvolle Titel “Unheimliche Begegnung der dritten Art” (im Orignial: “Close Encounters of the Third Kind”) wohl eher verkaufsfördernd angelegt wurde und für Missverständnisse sorgen dürfte, wenn man hier nicht Ausschnitte des Klassikers komfortabel sehen könnte:

Der jetzt entdeckte Planet habe die viereinhalbfache Masse unserer Erde und umkreise auf einer Umlaufbahn von 28,15 Tagen einen Zwergstern der Klasse M. Die Super-Erde erhalte von dem Zwergstern, den sie umkreist, etwa ein Zehntel weniger Licht als unsere Erde von der Sonne. Da ein großer Teil dieses Lichts aber im infraroten Bereich liege, könne der Planet insgesamt etwa genauso viel Energie aufnehmen wie unsere Erde. Der Zwergstern weise im Gegensatz zu unserer Sonne kaum metallische Elemente auf. „Unsere Entdeckung zeigt, dass bewohnbare Planeten in unterschiedlicheren Umgebungen entstehen können als bisher angenommen”, schürt von den Göttinger Sterneguckern Dr. Anglada-Escudé weiteren Optimismus.

Die Forscher entdeckten die neue Super-Erde, als sie eigentlich eine andere Super-Erde in demselben Sternsystem untersuchen wollten. In ihrer Studie analysierten sie mit einer neuen Methode Daten der Europäischen Südsternwarte (ESO) und des Magellan II-Teleskops in Chile sowie des Keck-Observatoriums auf Hawaii. In zukünftigen Untersuchungen wollen die Wissenschaftler herausfinden, ob sich in dem Sternsystem möglicherweise noch ein sogenannter Gasriese und eine weitere Super-Erde befinden. Weitere kompliziert klingende Detailergebnisse wollen die Forscher im Internet und in der Fachzeitschrift The Astrophysical Journal Letters veröffentlichen.

 

 

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