SAP AG: Zukunftsflotte als Vorbild

300 Testfahrerinnen und Testfahrer der SAP AG beteiligten sich am Projekt “Future Fleet” und nutzen als Firmenwagen probeweise 27 Elektroautos, mit denen sie 90.000 Kilometer zurücklegten. Nach den quasi “Versuchswochen E-Mobilität” wurden die Teilnehmer zu Akzeptanz und Attraktivität von Elektrofahrzeugen befragt. Das Ergebnis lässt aufhorchen: Fast 80 Prozent der Teilnehmer sagten, dass sie mit den Elektroautos “sehr zufrieden” oder “zufrieden” sind. Für 85 Prozent der Befragten steht dabei schlicht und einfach im Vordergrund, dass die Elektrofahrzeuge zukunftsweisend sind.

Die praxisnahe Untersuchung geht auf das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE ) zurück. Die SAP-Mitarbeiter hatten die Fahrzeuge über ein halbes Jahr für dienstliche und private Fahrten genutzt, und sehen ja nicht gerade unglücklich aus auf dem Foto oben. „Insgesamt haben die Elektro-Dienstwagen ein positives Image“, sagt ISOE-Mobilitätsexperte Konrad Götz: „Für fast 90 Prozent ist es toll, mit einem Elektroauto vorzufahren, auch wenn es sich bei dem Testmodell um einen Kleinwagen handelt.“ Viele hätten zu Beginn des Flottenversuchs kaum konkrete Vorstellungen über die realen Eigenschaften von Elektrofahrzeugen gehabt. Trotzdem könne sich nun rund ein Fünftel der Befragten vorstellen, ein solches Dienstfahrzeug in den nächsten drei Jahren anzuschaffen.

Jutta Deffner vom Forschungsschwerpunkt “Mobilität” am ISOE fasst die Ergebnisse der Teilnehmerbefragung so zusammen: „Die größten Barrieren für die Nutzerinnen und Nutzer waren die geringe Reichweite der Fahrzeuge und der deutlich höhere Anschaffungspreis.“ Kombinierte Verkehrsangebote könnten aber die Schwächen der E-Autos kompensieren: Ein Fahrzeugpool mit sparsamen konventionellen Fahrzeugen für längere Strecken, Abonnements für den Öffentlichen Verkehr oder auch Services wie Ladestation-Finder als App gehören dazu. Ein Drittel der Teilnehmer würde laut Umfrageergebnis solche Angebote nutzen. Leider unbeantwortet bleibt in der Pressemitteilung, ob SAP-Vorstandssprecher Jim Hagemann Snabe (im Bild) nur zum Auftakt für ein Pressefoto sich in einem E-Auto hat fotografieren lassen oder selbst ordentlich Kilometer für den Versuch heruntergerissen hat.

Das größte ökologisches Potenzial der Elektromobilität liegt offensichtlich bei Firmenflotten: Bei den Neuzulassungen in Deutschland stellten gewerbliche Pkw das stärkste Segment dar, betont ISOE. Das Öko-Institut hat im Projekt auch grundsätzlich das ökologische Potenzial der Elektro-Firmenwagen untersucht und die Ergebnisse bei der SAP AG auf Elektro-Dienstfahrzeuge insgesamt in Deutschland hochgerechnet. „Im Vergleich zu rein konventionell betriebenen Pkw-Flotten können diese beim Einsatz von Plug-In-Hybridfahrzeugen etwa 40 Prozent der entstehenden Treibhausgasemissionen von Dienstwagen bis 2030 vermeiden“, rechnet Peter Kasten, Experte für Elektromobilität am Öko-Institut, vor. Entscheidend dafür sei jedoch, dass der Strom für die elektrisch betriebenen Dienstwagen aus zusätzlichen erneuerbaren Energien bereitgestellt werde (was nun keine Neuigkeit ist).

Offensichtlich sind also Unternehmen gefordert, Bundeskanzlerin Angela Merkels Ankündigung wahr zu machen, “dass bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf unseren Straßen im Einsatz sind” - bis 2030 sollen es gar sechs Millionen Fahrzeuge sein. Bitte vortreten, werte erstplatzierten Firmen aus dem älteren Oekom-Ranking für “Deutschlands nachhaltigste Unternehmen” wie Henkel, Deutsche Telekom, Allianz, BMW (?!) bis zu Bayer (Platz 21). Es gibt noch viel zu tun (auch Sixt oder Europcar dürfen mitmachen). SAP hat’s vorgemacht – aber schaffen die Programmierer aus Walldorf nun auch dauerhaft E-Autos an?

Schon an anderer Stelle in diesem Blog musste ich leider konstatieren, dass die hiesige Wirtschaft nicht unbedingt den Eindruck erweckt, ernsthaft und engagiert an diesem Zukunftsmarkt mitwirken zu wollen. Und ich wiederhole an dieser Stelle gerne: Erstens läuft uns die Zeit davon. Zweitens haben asiatische oder französische Autobauer längst die Chancen erkannt. Manchmal bedarf es eben der ewig mühsamen Wiederholung, um sein Ziel zu erreichen. Schon der großartige Prince goss dies mit dem formidablen Songtitel “Joy in Repetition” in Verse, weshalb ich mit seiner sehenswerten, geradezu rattenscharfen Liveversion schließe:

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