Das Lächeln des René

Das klingt erstaunlich lustig: Ausgerechnet Telekom-Chef René Obermann wundert sich, dass beim Bezahlfernsehen “alle mit dem Monopol zufrieden sind” und bläst zur Attacke im Kampf um Kabel- und Satellitenübertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga. Dabei muss er wohl selbst lächeln. Wobei er hinter dem freundlichen Gesichtsausdruck allerdings gerne seine todernsten Angriffsabsichten verstecke, deuten die offensichtlich zu viele Thriller schauenden “Profiler” unter den Medienbeobachtern.

Frappierend ist der Vorgang vom Wochenbeginn allemal, weil der Manager des ehemaligen Monoliths mit Wurzeln in der altehrwürdigen Deutschen Bundespost sich doch besser nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen sollte mit seiner Klage über die marktbeherrschende Stellung von potenziellen Konkurrenten. Wie lange haben wir gelitten unter dem purpurnen T, das trotz poppigem Magenta ja auch etwas an ein Kreuz erinnert. Ein Kreuz, das wir zu tragen haben. Denn bis heute erinnern wir uns nur allzu gut an nicht die enden wollenden Warteschleifen. An unsere Verzweiflung, die in Ohnmacht mündete. Wir von der Telekom geschädigten, nahezu nervlich geschundenen und irgendwann nur noch teilnahmslosen “Teilnehmer”. Aus der Hotline-Ansage “Guten Tag und willkommen beim Kundenservice der Deutschen Telekom” hörten die Erfahrenen unter uns heraus: Dies ist der Beginn eines Martyriums durch manisch fröhliche Musik, durch ein zermürbendes Menü-Labyrinth und durch eine sich immer wieder ins Ohr brennende Klangmarke (“Dingel-dingel-ding!”). Als gerechte Strafe ergriffen millionenfach Kunden die Massenflucht.

Vor diesem Hintergrund ist der Vorstoß des Ex-Monopolisten auch einzuordnen, erlebt er doch seit Jahren eine Erosion seiner Marktanteile im klassischen Festnetzgeschäft und einen Absturz der Margen im Mobilfunk. “Entertainment” (im Bild: “Entertain Sat”; alle Fotos: Unternehmenswebsite) gilt für den dazu passend lächelnden René Obermann also als Schlüssel für eine Fahrt in eine bessere Zukunft. Die Bonner streben nach Marktführerschaft im Bezahlfernsehen und im Bereitstellen von Internetdiensten. Dafür hatte der Telekom-Chef zuletzt während der Computermesse Cebit “das Kaufhaus der Zukunft in digitaler Form“ in Aussicht gestellt, in dem Kunden Anwendungen für Smartphones und Tablet-PCs kaufen. Oder Musik, Videos und Fotos verwalten können. Die Telekom sei auf dem Weg zum „Weltmarktführer für vernetztes Leben und Arbeiten“, schob Obermann jetzt sogar nach. Dafür will er Menschen einen Zugriff bieten auf alles, was sie wollen und wo immer sie wollen.

Ein mega-schnelles Netz muss dafür aber noch aufgebaut werden, weshalb der Konzern in den kommenden Jahren einige Milliarden als Glasfaserkabel in der Erde verbuddeln will. Allein der Anschluss einer Wohnung soll zwischen 1.000 und 1.500 Euro kosten. Pro Jahr 200.000 Wohneinheiten will die Telekom erschließen. Wie viel Dienste von wie vielen Kunden genutzt werden müssen, um diese Investitionen zu refinanzieren, darf sich bitte jeder selbst ausrechnen. Dabei aber nicht die kilometerlangen Straßenbaustellen vergessen!

Das größte Telekommunikationsunternehmen Europas  setzt dazu auf strategische Partner wie soeben auf die Deutsche Annington, größtes deutsches Immobilienunternehmen. Dessen Mieter sollen schon bald verdrahtet sein – zunächst 42 000 Wohnungen in NRW in den kommenden zwei Jahren. Danach gibt es den Zugang zum Glasfasernetz für weitere 120 000 Annington-Wohnungen im Bundesgebiet. Auch andere Firmen der Wohnungswirtschaft oder Stadtwerke bezirzt Obermann (vermutlich lächelnd). Der Hebel scheint clever angesetzt. Doch Kabelnetzbetreiber wie Unitymedia werden sich zu wehren wissen. Vielleicht sogar mit einem besseren Service und sinkenden Preisen, worauf sich Kunden womöglich schon jetzt freuen können. Im Mobilfunkmarkt haben wir es zuletzt erlebt.

Das andere Angriffsopfer der Obermannschen Charme-Offensive, der Pay-TV-Sender Sky (vormals Premiere), hat beim zurückhaltenden deutschen Zuschauer lange genug gebraucht, um halbwegs auf einen grünen Zweig zu kommen. Chef Brian Sullivan hat mit seinem Team im vergangenen Jahr bei den Abonnenten die Drei-Millionen-Marke geknackt und hofft erst für 2013 auf operativ schwarze Zahlen. Ob das hierzulande schwierige Geschäft dazu verleitet, freiwillig auf den Deal zu verzichten?

Die Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga als Türöffner zu sehen, scheint aus Sicht der Telekom zwar gar nicht so dumm zu sein. Das setzt aber voraus, dass eine Vergabe an die Telekom nicht rechtswidrig ist. Wettbewerbsexperte Franz Jürgen Säcker hat jedoch schon Bedenken geäußert und die Telekom als “nicht rundfunkfähig” eingestuft: Der Konzern sei zu insgesamt 31,7 Prozent in Staatsbesitz. Das Grundgesetz verbiete jedoch Verflechtungen zwischen Staat und Rundfunkveranstaltern. Schon jetzt lässt die Telekom die Sendungen für “Liga Total” deshalb von Constantin Medien aufbereiten.

Bis Mai sollen die Kabel- und Satellitenrechte für die Jahre 2013 bis 2017 vergeben sein. Die hält bisher noch der Sender Sky. Die Lizenzen der Deutschen Fußballliga (DFL) werden auf einen Wert von jährlich mehr als 400 Millionen Euro beziffert. Auch hier steht also vor dem großen Geldverdienen das gigantische Geldausgeben. Für die Bundesliga-Übertragung hat die Telekom bis jetzt nur eine Lizenz fürs Internet. Ihren dafür entwickelten und vom FC Bayern München – auch bekannt aus der “Abteilung Attacke” (Uli Hoeneß!) – unter anderem auf den Profi-Trikots aggressiv beworbenen IPTV-Sender ”Liga-Total” sollen etwa 160 000 Kunden abrufen. Zur Profitabilität ist damit selbstverständlich noch gar nichts gesagt. “Immer nur lächeln” hilft da nichts. Obwohl – wenn’s nebenbei wenigstens schön klingt. Kostprobe mit dem klangvollen Konzernchef beim Telekom-Betriebsfest gefällig? Bitteschön:


 

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