Der perfekte Tag für Frauen

Wirklich wahr: Wissenschaftler haben jetzt weibliches Glück mit Methoden der Optimierungsforschung analysiert, die normalerweise zur Anpassung von Produktionszyklen in der Industrie ihre Anwendung finden, und daraus in exakten Zeiteinheiten alle Aktivitäten aufgeschlüsselt, die Frauen von früh bis spät verteilt ausüben müssten, um einen perfekten Tag zu erleben. Die Ergebnisse lassen allerlei für Konsumindustrie und Handel ableiten, zudem tief blicken und auch einige Zweifel aufkommen.

Danach kommt “Romantische Zeit mit dem Partner” mit 106 Minuten auf den höchsten Wert am Tag, was zumindest für langjährige Beziehungen überaus unrealistisch, übertrieben wichtig und völlig überbewertet klingt. Alte Paare kennen sich doch schon gut genug, oder? Und ob hier wohl Sex in die Romantik mit reingerechnet ist (denn eine entsprechende andere Kategorie findet sich nicht)? Und wenn ja: Handelt es sich immer um verbrachte Zeit mit dem gleichen Lebensabschnittspartner?
Das Telefonieren übertrumpft mit 57 Minuten das Einkaufen um eine Minute, wogegen die Shoppingforschung vermutlich entschieden protestieren würde. Meines Erachtens gibt es sogar Frauen, deren Tagesablauf einzig und allein aus telefonieren und shoppen besteht: Ich sag’ nur die Geissens, insbesondere (im Bild/copyright: RTL 2) Carmen “Rooobert” Geiss (“In Dubai gibt es natürlich Autos, die es weltweit natürlich nicht gibt. Das ist für Robert wie für mich beim Schuhe kaufen.” – “Sei mal ruhig Carmen, ich bin mich hier am konzentrieren.”; vgl. Menüpunkt “Sprüche” auf der Website).

Ja, es gibt so manche weibliche Spezies, für die ich seit Jahren berechtigt eine Burkapflicht fordere. Nur sollten Frauen fürs Glück tatsächlich täglich mit 73 Minuten in Gebet und/oder Meditiation fünf Minuten mehr aufwenden als für Sport? Und dass zum perfekten Tag auch 47 Minuten Hausarbeit, 46 Minuten Kinderbetreuung, 36 Minuten Arbeiten und 33 Minuten Pendeln (mit oder ohne Verspätungen?) gehören sollen, halte ich gar für gefährliche Propaganda. Umgekehrt scheinen mir 46 Minuten fürs zwischendurch Schlafen mit Blick auf wie Katzen zusammengerollte Frauchen auf der Couch unter der Decke deutlich zu wenig. Halbwegs realistisch muten die Werte an fürs Freundetreffen (82 Minuten), fürs Relaxen (78) und fürs Essen (74). Ob mit nahezu gleich viel Zeit vorgesehenes Kochen (50) und Computerdaddeln (48) für meine Geschlechtsgenossinnen zum schönsten Streben zählen, ist immerhin fraglich.

Verantwortlich für die Frauen-Studie zeichnen übrigens Prof. Dr. Dr. Verona Pooth vom Lehrstuhl zur Erforschung von Glasbruch durch zu hohe Stimmen, und Krawallanwendungswissenschaftlerin Dr. päd. Hella von Sinnen (Foto/cinetext). Quatsch, natürlich zwei Männer: Dr. Christian Kroll, Research Fellow an der Jacobs University in Bremen, und Dr. Sebastian Pokutta, Wissenschaftler am Georgia Institute of Technology. Sie haben dazu tatsächlich nach eigenem Bekunden auch “Daten des Nobelpreisgewinners Daniel Kahneman” von über 900 befragten Frauen ausgewertet. Ein Zusatzteil der Studie beschäftige sich zudem mit Daten des “American Time Use Survey”, die Antworten von Frauen und Männern beinhalten.

Interessant auch die Schlussfolgerungen der Autoren: “Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass sich die befragten Frauen am wohlsten fühlen, wenn sie Zeit mit ihrem Partner, mit Freunden oder mit Entspannung verbringen. Aber darüber hinaus ist eine sehr wichtige Schlussfolgerung, dass Menschen eine Steigerung des Wohlbefindens erreichen, wenn sie ihren Tag abwechslungsreich gestalten. Grob könnte man sagen: Das Vergnügen in der ersten Stunde einer Aktivität ist größer als das nach drei Stunden derselben Aktivität – Ökonomen sprechen hier von einem abnehmenden Grenznutzen.” Gleichzeitig seien manche Aktivitäten “gerade attraktiv”, weil man so selten dazu komme. ……………………………………………………………………….Diesen freien Platz nutzen Sie bitte für eigene Einträge dazu, was solche Aktivitäten für welche seien könnten. Auch können Sie diese Tagesuhr mit eigenen Glückmomenten und eigenen Farben ausmalen:

Mit nur 36 Minuten Arbeit pro Tag, könne kaum jemand einen Lebensunterhalt bestreiten, daher sei der errechnete perfekte Tag “eher an einem Sonntag realisierbar als an einem Montag” (aha!). Ebenso könne das strikte Befolgen des errechneten Zeitplans mit einer Stoppuhr “eher in mehr Stress als in mehr Zufriedenheit enden” (ach, so!). Allerdings betont Hauptautor und Glücksforscher Kroll: „Die Studie ist ein wissenschaftlich fundiertes Gedankenexperiment, das Aufschluss darüber gibt, welche Prioritäten Menschen setzen würden, um mehr Wohlbefinden zu erreichen, hätten sie die Freiheit ihren Tag selbst zu gestalten.“ (sein nächstes Forschungsprojekt ermittelt womöglich, was Kindergartenkinder glücklich macht, nämlich “klatschen, singen, robben”.

Auf “übergeordneter Ebene” leiste die Studie, heißt es seitens der Autoren, ”einen Beitrag zu den Bestrebungen Glück und Wohlbefinden adäquat zu messen” (heidazack!). In den Medien und der Politik sei eine wissenschaftliche Erfassung und das Erreichen von Glück und Zufriedenheit in letzter Zeit ein großes Thema und werde zum Beispiel von der OECD, den Regierungen Großbritanniens, der USA sowie in einer Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages diskutiert und “nicht zuletzt auch im Königreich Bhutan”, denn dort sei bereits jetzt “das Bruttosozialglück der Hauptmaßstab”.  Mehr Netto vom Brutto – dies gilt übrigens auch im Humor: Deshalb gelingt es Christine Prayon in quasi knapper Lyrik, nachfolgend das abend- und stadionfüllende Programm des unsäglichen Mario Barth verdichtet als aufgeblähtes Unglück zu entlarven:

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