Mit “Bewunderung, Respekt und Sorge um die eigene Zukunft” blickt die deutsche Bevölkerung nach Asien, ermittelte jüngst die Bertelsmann Stiftung in einer repräsentativen Meinungsumfrage. Die antwortenden Teilnehmer würden den wirtschaftlichen Aufstieg der Staaten wie Korea, Indien oder China “eher als Chance als eine Bedrohung” wahrnehmen, lautet ein Studienergebnis. Asien sei für die Deutschen keine “gelbe Gefahr”, greifen die Gütersloher Forscher auf einen Begriff aus der Kolonialzeit zurück, für den in Deutschland interessanterweise als Wegbereiter ein gewisser “Stefan von Kotze” und ein gewisser “Hermann Knackfuß” genannt werden. Ist die Welt mitunter nicht unglaublich gerecht in der Namensgebung?
Der Erstgenannte gilt durch seinen gleichnamigen Buchtitel als Schöpfer des Begriffs in unserer Sprache, aber als viel- und weitreisender Berichterstatter für Kurt Tucholsky sogar als Mann mit Humor wegen eher derber Formulierungen über Eingeborene wie dieser: “Bewaffnet war er mit einem penetranten Geruch.” Dem Zweitgenannten übertrug seinerzeit Kaiser Wilhelm II. als Historienmaler die Ausarbeitung seiner allegorischen Zeichnungen “Völker Europas, wahrt eure heiligsten Güter” als Gastgeschenk für den russischen Herrscher (erst im Kalten Krieg mit einem Bären gleichgesetzt, der uns alle fressen will!). In der grafischen Darstellung mit versammelten Frauen wie Germania und Britannia – als Symbol für die entsprechenden Völker – zeigt Erzengel Michael als Schutzpatron der Deutschen auf dunkle Gewitterwolken im Osten mit einem heranschwebenden Buddha. Wie schlicht und platt früher doch Ängste geschürt werden konnten – spätestens seitdem der FC Bayern unter Trainer Klinsmann eben solche Buddhafiguren im Trainingszentrum
aufstellen ließ, dürfte der dicke Heilige an Schrecken eingebüßt haben. Das Geschenk an den russischen Zaren Nikolaus II. verband Wilhelm übrigens mit der Bitte, “die drohende Gefahr eines durch Japan mobilisierten chinesischen Ansturmes” abzuwenden. Dass bei der Gestaltung der Gefahr hierzulande damals die Herren Kotze und Knackfuß kräftig mitwirkten, sollten wir nie vergessen!
Schön klingt auch die Überlieferung, dass im Englischen “The Yellow Danger” ausgerechnet durch Kurzgeschichten von M.P. Shiel hoffähig wurde, denn der Autor wurde selbst wegen seiner mulattischen Herkunft diskriminiert. Auch lustig: Die Skulptur “Vault” (= Höhle, Gruft) von Ron Robertson-Swan in Melbourne erhielt von den Gegnern den Spitznamen “Yellow Peril”. Schön wenigstens, dass laut Bertelsmann-Studie die Mehrheit der Deutschen die Entwicklung Asiens für Deutschland zumindest insgesamt als positiv beurteilt, auch wenn gleichzeitig “in Bezug auf die Folgen für den Arbeitsmarkt die Skepsis überwiegt”, wie die Stiftung mitteilt. Die Zuversicht speist sich offenbar aus dem großen Vertrauen in die technologische Überlegenheit Deutschlands gegenüber Asien. 71 Prozent der Deutschen halten es für sicher oder zumindest wahrscheinlich, dass Deutschland in Forschung und Technologie „auch langfristig“ führend sein wird. Jeder Zweite sieht im wirtschaftlichen Aufstieg Asiens für Deutschland eine Chance. Womöglich historisch geprägt halten ihn jedoch 39 Prozent noch immer oder schon wieder für eine Bedrohung. Feindbilder für florierende Furcht funktionieren fulminant. Komisch, dass das Volk so verliebt ist ins Fracksausen: Zigeuner, Ossis, Asiaten – stets findet sich jemand, der als Schreckgespenst “buh!” rufen und mit Ketten rasseln darf. Da helfen dann als Gegenmaßnahmen auch alle Kommunikations- und Marketingmaßnahmen wenig. Ich möchte an dieser Stelle zudem darauf wetten, dass insgeheim in gegnerschaftlichen FDP-Zirkeln und quasi politisch unkorrekt der Begriff auch für den doch nett dreinschauenden Bundesvorsitzenden Dr. Philipp Rösler (in einem der Bilder oben) hier und da Verwendung findet. Wohingegen die Münchener Bayern derzeit in der Bundesliga höchstens ironisch “Kloppos” (Foto; GM) Borussia aus
Dortmund noch als gelbe Gefahr sehen dürften. Wenigstens in diesem Punkt scheinen “die Roten” (früher mal auch ein Bedrohungssynonym) vorerst gerettet. Für wirklich gefährlich halte ich im Nachhinein einen Modetrend aus den 1970er-Jahren: Die gelben Herrenhemden, Inneneinrichtungen und Fahrzeuge dürften heute unter die Genfer Konventionen zur Abwehr schlechten Geschmacks fallen.
Dieses Internet-Tagebuch begleitet Entwicklungen aus der Welt der Märkte und Marken. Gelenkt ist der Blick aus einem besonders anstrengenden Betrachtungswinkel. Gerichtet auf das bunt schillernde Marketing als ganzheitliche Disziplin der kundenorientierten Unternehmensführung. Dabei darf das Entstehen von neuer Theorie und Praxis genauso vorkommen wie tolle Erfindungen, pfiffige Geschäftsideen oder sensationelle Services - aber eben auch katastrophales Kundenmissmanagement. Die Leser und der Autor sind gleichsam interessiert an merkwürdigen Moden, tiefgreifenden Trends und zukunftsweisenden Innovationen. Kurzum: Es geht um Erkenntnisse, die mindestens inspirieren und bestenfalls Nutzen stiften ohne in Form und Inhalt wie schwer verdauliche Wissenschaftskost daher zu kommen. In Anlehnung an den Autor (im Bild) trägt dieses Tagebuch den Titel "Garbers Gazette". Diese veraltete, heute eher ironische Bezeichnung für eine Zeitung deutet an: Dieses Blog treibt vor allem Humor als Haltung - mitunter sogar Schabernack. Vermutlich wagen wir auf dieser Basis den Blick in die Zukunft eher mit Optimismus. Das Leben ist schließlich schon schwierig genug. (Foto: Bernd Hegert)
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