Lügen pflastern ihren Weg

Eine der wichtigsten Fragen nicht nur für Bibel- und Glaubensfeste, sondern auch für alle Kommunikatoren: Wie lautet das (achte) Gebot? Genau: “Du sollst kein falsches Zeugnis von dir geben wider deinem Nächsten.” Klar übersetzt in zeitgemäße Sprache: Lügen verboten! Was jedoch lesen wir da im Handelsblatt aus dem Munde zweier Doppelklaus-Kommunikationsexperten? Zitat 1: “Natürlich darf ein PR-Manager lügen. Das ist vielleicht ja sein Job.” Zitat 2: “Nur wer lügen darf, kann kommunizieren.” Kann es vielleicht sein, dass mein Schwein pfeift?

Dabei handelt es sich bei den Zitierten immerhin sogar um zwei auch Lehrende von Hochschulen. Nur zur Abschreckung und Warnung seien sie hier im Bild gezeigt. Das erste Zitat stammt vom Honorarprofessor für Unternehmenskommunikation am “Institut für Kommunikationsmanagment” der Hochschule Osnabrück, wenn auch nur am “Campus Lingen”. Dafür war Klaus Kocks (Foto links von seiner Website) nach seiner Zeit als Gymnasiallehrer (Wirtschafts- und Sozialwissenschaften plus Germanistik!) und nach Promotion zunächst Referent für Öffentlichkeitsarbeit bei der Ruhrkohle AG, dann Geschäftsführer der Informationszentrale der Elektrizitätswirtschaft, schließlich nationaler Koordinator PR der Kernkraftwerkehersteller und -betreiber, zwischendurch Unternehmenssprecher der Aral AG, danach Bereichsleiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Viag AG, nachfolgend schon Hauptbereichsleiter der Ruhrgas AG und zur Krönung sogar Vorstandsmitglied und Konzernsprecher der Volkswagen AG. Ist solch’ eine Karriere in solchen Konzernen als Praxisschule die Grundvoraussetzung, um am Ende so einen Blödsinn wie oben von sich zu geben? Oder auf gleichem Niveau so einen Schwachsinn wie in dieser Maischberger-Laberrunde mit dem entlarvenden Titel “Hassfigur Autofahrer: Aggressiv, gefährlich, asozial?”, in der Kocks das Auto unter anderem als “Fruchtblase” und “phallisches Moment” bezeichnet (bitte beachten Sie auch den Blick von Jutta Ditfurth):

Der Zweitzitierte heißt Klaus Merten (Foto links von seiner Website) ist Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster und steht dort unter anderem für Wirkungsforschung und PR. Zwar wurde jener nach seinem Studium der Mathematik, Publististik und Soziologie nicht auf die Praxis losgelassen, sondern blieb fein an diversen Hochschulen. Doch dafür ist er mit besagtem Klaus Kocks unter anderem der Herausgeber der Reihe “Public Relations”, Mitglied im Beirat “Pressesprecher” und ausgezeichneter Träger des “Top Award International Communiation Association” und Preisgewinner der Thyssenstiftung für den Beitrag „Meinungsführer in der  Mediengesellschaft“. Auweia!

Anlass für die Handelsblatt-Berichterstattung war übrigens die Verurteilung gegen den untergegangenen Stromvermittler Teldafax wegen Kundentäuschung auf Schadensersatz. Der Fall treibe “die Strippenzieher aus dem Schatten ans Licht”, nämlich die PR-Manager, heißt es dort. Die PR-Strategen Kocks und Merten wurden danach übrigens für ihre Aussagen vom Deutschen Rat für Public Relations (DPRG) “scharf gerügt”, woraufhin der Zweitgerügte empfahl, der Rat möge sich abschaffen. Genau: Wer das Lügen geißelt oder verbietet, muss weg! Dabei klingen die sieben Selbstverpflichtungen für DPRG-Mitglieder doch ganz selbstverständlich und harmlos. Etwa: “Mit meiner Arbeit diene ich der Öffentlichkeit. Ich bin mir bewusst, dass ich nichts unternehmen darf, was die Öffentlichkeit zu irrigen Schlüssen und falschem Verhalten veranlasst. Ich habe wahrhaftig zu sein.” Oder: “Mit meiner Arbeit stehe ich in den Diensten eines Auftrag- oder Arbeitgebers. Ich verpflichte mich, ein redlicher Anwalt seiner Interessen zu sein und ihn vor Schaden zu bewahren.” Vom Teldafax-Urteil inspiriert sieht sich Handelsblatt-Kommentator Sönke Iwersen genötigt, “Ehrlichkeit von den Sprechern der Unternehmen” zu fordern und folgert hoffentlich richtig: “Die PR-Branche sollte sich (…) auf härtere Zeiten einstellen. Lügen ist nicht strafbar. Täuschen schon.” Nunja, mit Blick auf die Macht der Communitys in sozialen Netzwerken sehe ich mit großer Gewissheit einer Abstrafung durch die (Teil-)Öffentlichkeit entgegen.

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