Die volle Wahrheit über Samsung

Auf das bemerkenswerte “Phänomen” Samsung geht die aktuelle Ausgabe 12/2012 der absatzwirtschaft – Zeitschrift für Marketing diesmal schwerpunktmäßig und ausführlich ein: unter anderem in der Titelstory mit dem umfassenden Unternehmensporträt “Gigant ohne Gesicht” von Claudia Reischauer, in der Glosse “Duftmarke” mit warnenden Worten über zwei “Potentaten” von Hans Zippert, im Cartoon (siehe unten) zum galaktisch anmutenden Slogan des Konzerns von Stephan Rürup sowie im Editorial und im Kommentar vom Autor dieser Gazette. Empfohlen sei Ihnen die Lektüre, weil vom mehrfachen Weltmarktführer auch hiesige Vorstände, Geschäftsführer, Marketing- und Vertriebsverantwortliche und Entwicklungschefs einiges lernen können. Allerdings auch – also keine Angst vor irgendeiner “gelben Gefahr“! – wie man’s nicht machen sollte.

Unter dem Titel “Laut und leise” heißt es im Editorial: “,Drei Sterne’ bedeutet Samsung in der Landessprache und meint die Söhne des Gründers Lee Byung-chull, aus dessen Lebensmittelladen fast heimlich, still und leise ein Gigant gewachsen ist: der größte südkoreanische Mischkonzern, der nach eigenen Angaben fünftgrößte Multi der Welt sowie der Weltmarktführer in 13 Produktkategorien. Seine meistverkaufte Elektronik wie Halbleiter, Fernseher, Monitore oder Mobiltelefone kennen wir. Aber die Versicherungen, die Werften oder die Renault Samsung Motors? (…)”. Der Riese verfolge klare Ziele und eine aggressive Strategie – und erobere damit nahezu geräuschlos die Spitze in umkämpften Geschäftsfeldern. “Ein Lehrstück”, denn als Lieferant und Gegner von Apple im Smartphonemarkt profitiere Samsung sogar von der Markenikone.

Schließlich würden Modelle wie das Galaxy S3 nie und nimmer für 450 Euro und mehr über die Theke gehen, wenn die Marken- und Marketingmaschine aus Cupertino nicht mit Preishärte allmächtige Kurse von 649 Euro wie fürs iPhone 4S durchgesetzt hätte, das Herstellungskosten von nur 134 Euro verursacht. Angesichts dieser Margen sehe ich die Verantwortlichen quasi vorm geistigen Auge eine Champagnerflasche nach der anderen köpfen und sich bis zur Ohnmacht kringelig lachen. Dahinter beziehungsweise davor steht aber auch eine Markenführung (von Apple), die sich bezahlt macht. Hier muss Samsung erst noch nachlegen. Ebenso muss die globale Größe erst noch lernen, nach innen und außen offen zu kommunizieren, um nicht den Eindruck eines Militärapparates zu hinterlassen. Umgekehrt dürfen wir hierzulande nicht so tun, als marschierten die Samsungianer gleich in die Bundesrepublik ein. Vorbehalte sind schon insofern ungerechtfertigt und ungerecht, als dass fast jeder von uns ein Samsung-Gerät sein Eigen nennt (Fernseher, Smartphone, Tablet-PC, Kühlschrank, Kamera?). Und welches Unternehmen aus deutschen Landen hat hierzulande schon ein eigenes Internettagebuch, in dem Lars, Christian und Anton vorgeben “all about samsung” verbreiten zu wollen. Verbreitung und Größe allein sind andererseits nicht alles, auch wenn die Zentrale heute schon einer ganzen Großstadt gleicht:

Einen anderen Fall greift der Kommentar “Fehlender Fokus” auf, in dem es um den Computer-, speziell den Druckermarkt geht, denn wer hätte gedacht, dass Printer aus Seoul hierzulande schon an der Spitze stehen? Konkret heißt es dort zum Absturz von HP: “Beispielhaft verblasste IT-Ikone Hewlett-Packard: Der Niedergang lässt sich am Börsenwert ablesen, äußert sich im geplanten Abbau von 29.000 Stellen und war schon abzusehen, als Ex-Chef Léo Apotheker (vormals SAP) seinerzeit vorschlug, die PC-Sparte abzuspalten. „Better together“ verschreibt sich Nachfolgerin Meg Whitman (vormals Ebay) seit ihrem Antritt dem Verbleib als Einheit. Zweifelhaft, ob diese Strategie eine Zukunft zulässt. Experten erachten die Abspaltung des PC- und des Druckergeschäfts als sinnvoll. HP fehle der klare Fokus auf Firmen-IT von Rivalen wie IBM und es habe wegen fehlender Tablets und Smartphones den Anschluss im Endkundengeschäft verpasst. Kurzum: Wer alles nebeneinander anbietet, dem gelingt nichts richtig. Die Luft wird dünn für den einst unbestrittenen PC-Weltmarktführer. Übernahmespekulationen, etwa durch Lenovo, kursieren. Wie im schwierigen Umfeld und trotz starker Wettbewerbsmarken wie Canon, Brother oder Epson dennoch Geschäftsfelder zu erobern sind, beweist erneut Samsung: Vor elf Jahren den ersten Drucker unter eigenem Namen einführend, waren die Koreaner nach Stückzahlen im deutschen A4-Lasermarkt 2011 erstmals Marktführer.”

Dieses Filmchen unter dem unverfänglichen Titel “Life in Samsung Korea” des offensichtlich willigen Praktikanten namens Anand aus Indien beginnt zwar harmonisch mit Seerosenbildern, zog auf seine erklärenden Worte “My life at Samsung Electronics South Korea was a boon. It gave me a great opportunity to work with one of the best companies in the world. Through Samsung, I learnt hard working…” aber rüde Kommentare nach sich wie “Anand come back…why u r struggling with idiots”, aber auch Gegenreden wie “shut up racist” sowie schmerzhafte Erinnerungen wie “this video hurt me alot”. Ganz unumstritten scheint mir Samsung also auch als Arbeit- und als Auftraggeber nicht. Aber das gilt ja auch für andere Firmen – zum Beispiel für Apple.

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Kommentare zu Die volle Wahrheit über Samsung

  1. Ensign

    Die Herstellungskosten von 134 Euro sind natürlich immer wieder schön, um zu zeigen, wieviel Geld sich doch mit einem iPhone verdienen lässt. Herstellungskosten sind aber immer Kosten ohne Forschung, Entwicklung, Vertrieb, Logistik, Verpackung, Marketing usw usw usw

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