Lang lebe Mister Wayne LaPierre!

Klingt nach wahnsinnig gewordenen Bösewichten, die den Teufel mit dem Beelzebub austreiben wollen: Kurz vor dem Fest und eine Woche nach dem Amoklauf mit 27 Toten an der Grundschule in Newton hat die US-Waffenlobby ihre Vorschläge zu Gegenmaßnahmen vorgestellt. Dabei fordert die National Rifle Association (NRA) bewaffneten Schutz an jeder Schule. Hut ab, vor dieser Chuzpe! Aus der Defensive heraus schnell mal die Absatzkanäle ausweiten – das nenne ich eine intelligente Unverschämtheit.

„Der einzige Weg, einen schlechten Typen mit einer Kanone zu stoppen, ist ein guter Typ mit einer Kanone“, sagte NRA-Vizechef Wayne LaPierre (im Bild) und muss dieses Zitat wahrscheinlich aus einem Western von seinem Namensvetter John Wayne aufgeschnappt haben. Schärfere Waffengesetze lehnte er selbstverständlich kategorisch ab. Nach Informationen der „New York Times“ übrigens schützen schon bewaffnete Wächter in einem Drittel aller öffentlichen Schulen in den USA die Schüler und Lehrer von Eindringlingen. Was Obelix dazu sagen würde, wissen wir. Ich aber sage: Lang lebe Mister Wayne LaPierre!  Denn seine Forderung bedeutet im Kern, dass sich jeder Amerikaner mit der Waffe in der Hand gegen Angreifer schützen soll. Also muss man dem NRA-Vizechef viel Glück wünschen.

Empörung und Widerstand erntete die Waffenlobby für ihren unverschämten Vorstoß. Der Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, sprach von einer „paranoiden“ Vision Amerikas, „wo jeder bewaffnet und kein Ort sicher ist“. Auch die Lehrergewerkschaft lehnte die Vorschläge ab. Das Weiße Haus bezog öffentlich nicht einmal Stellung – inoffiziell verlautete: Die Vorschläge der NRA seien wenig ermutigend und deuteten nicht auf eine konstruktive Rolle in der gegenwärtigen Diskussion hin, sagte ein Regierungsbeamter der „Washington Post“. In einem Kommentar der Zeitung hieß es: „Wann werden wir genug gesunden Menschenverstand haben, um den Verkauf von Sturmgewehren im Militärstil an Zivilisten zu verbieten?“ Die USA sind meines Erachtens erst dann wieder ernst zu nehmen, wenn das Land auf diese Frage endlich die richtige Antwort gibt.

Umgekehrt könnte das Vorgehen der NRA jetzt Nachahmer finden: Der Verband der Autoindustrie würde angesichts erhöhter Unfallzahlen mit Kindern einfach für jeden ein paar PS mehr fordern, damit potenzielle Verursacher schneller an Gefahrenstellen vorbeifahren können. Die Vereinigung der Lebensmittelindustrie würde mit Blick auf steigende Erkrankungen von Fettleibigen raten, dass die Krankenkassen künftig regelmäßiges Fettabsaugen übernehmen. Und die Spitzen der Spirituosenhersteller empfehlen wegen des zunehmenden Komasaufens promillearme Pausen, um es sich dann aber so richtig zu geben.

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Kommentare zu Lang lebe Mister Wayne LaPierre!

  1. Manchen Menschen ist einfach nicht mehr zu helfen.
    Dieser Typ ist für mich nur geisteskrank und gehört in eine Therapie.
    Am Besten sollte man direkt Schießstunden für Kinder einführen, damit die im Notfall zurückschießen können….
    Grüße!

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