BP pinselt Bild der Protestbewegung

Über die aktuelle Protestbewegung zeichnet die heute vorgestellte Gesellschaftsstudie des Unternehmens “Deutsche BP” ein Bild so pechschwarz wie sieben Jahre gebrauchtes Motorenöl. Demnach sind “Wutbürger” quasi allesamt verhärmte Männer mit zu viel Zeit, oft oberschlau und vielfach überbezahlt, technisch verkopft ohne demütigen Glauben im Schoß der Kirchen, doch dafür mit einem höchst seltsamen Demokratieverständnis, das genug (hohlen) Raum lässt für ein tiefes Misstrauen gegen “die da oben” nebst völliger Ratlosigkeit zwischen dem Wunsch nach starken Führern einerseits und ohne Leidenschaft eingeforderten, “echten” Demokratieinstrumenten wie Volksentscheid oder Direktwahl. Man hört es förmlich klatschen im Gesicht der Widerständler von Stuttgart 21, Elbphilharmonie, Flughäfen und Kraftwerken.

Männer dominieren unter den Protestlern mit 70 Prozent Anteil, stellt die BP-Studie (im Bild) fest. Genug Zeit zum Aufbegehren haben “Hausmänner”, “Pastoren”, “Lehrer”, “Freiberufler” und vor allem “Rentner”. Früher gingen “typischerweise (angehende) Sozialwissenschaftler” auf die Straße, heute “bilden” Ingenieure “einen zentralen Typus” der aktuellen Proteste. Die Schlauberger (55 Prozent mit Studienabschluss) können zwar klug daherreden, geht aus der Untersuchung hervor, doch über die Hälfte der Demonstrierenden gehört keiner Kirche an. “Vor allem Katholiken sind auf Abstand geblieben, historisch kein neues Phänomen”, sagen die Forscher.

Willy Brandt, Helmut Schmidt, aber auch Franz Josef Strauß nennen die Befragten als charismatische Politiker mit “Mumm” und “Rückgrat”. Also sehr indifferent die Haltung der Protestler: Einerseits gegen Mächtige angehen, andererseits den starken Mann fordern.

Interessant auch die Schlüsse der Wissenschaftler im Auftrag von BP: “Hinter dem Engagement von Bürgern stehen Wissen, Ideen und beträchtliche Energien, deren sich der Staat bedienen kann. Und doch bleibt ein Dilemma: Der unzweifelhaft gestiegenem Wunsch nach vielfachen Beteiligungen der Bürger an politischen Vorhaben verkompliziert den Entscheidungsprozess, produziert Langwierigkeit, endet oft vor Gerichten, was in der Folge die Verrechtlichung der gesellschaftlichen Beziehungen weiter forciert.” Das wiederum erzürne das Gros der Bürger, deren Ansprüche auf ein rasches und effektives Regierungshandeln ebenfalls angestiegen seien. “Beides allerdings geht schlecht zusammen”, lautet das Fazit.

An zwei anderen Stellen habe ich schon auf diesen unbefriedigenden Umstand hingewiesen: zum einen in diesem Tagebuch, zum anderen in der absatzwirtschaft im Interview mit dem Krisenexperten Frank Roselieb. Insbesondere bei Bauprojekten sehe ich die Bauherren in punkto frühzeitiger Kommunikation in der Pflicht.

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