Werbung für Mike Keneally

Gewissermaßen eine andauernde Ausnahmegenehmigung gestattet sich Garbers Gazette gerne bei der Themenauswahl. Nun ist man als Autor auf einem Fachportal zwar nicht gerade frei wie der Wind, aber das Spektrum markt- und markenrelevanter Sujets ist nunmal weit, wie schon die Beschreibung “über dieses Blog” etwas weiter unten in der rechten Spalte dieser Website betont. Und da erst im Nachgang veröffentlichte Kulturkritiken zu Konzerten, Ausstellungen und Büchern doch eher ein schlechter Service der Medien sind, möchte ich hier und heute im Vorfeld einer Europatournee mit vier baldigen Auftritten in Deutschland für einen amerikanischen Musiker werben, der es meines Erachtens verdient hat, gehört zu werden. Gute Künstler bedürfen ehrenamtlicher Unterstützung, weil sie ihre Vermarktung zu selten adäquat auf die Reihe bekommen. Sie sind schließlich anderweitig kreativ.

Im Falle Keneally reden wir über gleich gutes Können an der Gitarre und an den Tasteninstrumenten, ein munteres Mitwirken mit Musikgrößen wie Frank Zappa, dessen Sohn Dweezil, Steve Vai, dem Miles-Davis-Tribut-Projekt “Yo Miles!” sowie dem Führen diverser eigener Bands und einem Werk von mittlerweile 40 eigenen Alben. Seine Stilrichtung aus Rock und Jazz muss nicht jedem gefallen, aber die Qualität dürften selbst Laien würdigen. Den Appetit der Leser bzw. Hörer anzuregen erlaube ich mir trotz des relativ langweiligen Videos, das fast wie in Zeitlupe wirkt, mit dem nachfolgend auch sonst ungewöhnlich unaufgeregten Titel sowie mit Hinweis auf danach präsentierte vielfältige Erkenntnisse, auf echten Nutzwert und auf weitere feine “Mukke” wie diese:

“I’m raining here, inside” – der schräge, tragende Vers und prägende Titel mutet merkwürdig an wie die einem Uhrwerk gleichende Melodie voller Melancholie. Vielleicht plagte Mike Keneally eine Schaffenskrise, als er dieses, sein jüngstes Album vor sich sah. Also tat er sich kurzerhand mit einem vielgerühmten Songschreiber zusammen, um gute Ideen zu generieren. Kooperation scheint in der Kunst wie in der Wirtschaft ein beliebtes Instrument für mehr Innovationskraft. Bemerkenswert an Partner Andy Partridge finde ich zuvorderst, dass sein “pathologisches Lampenfieber, Stress und ein Nervenzusammenbruch” (Wiki) dazu geführt haben sollen, dass er ab 1982 mit seiner eigentlichen Band nicht mehr auf Tournee gehen wollte. Das ist mal ein Grund! Der einstige Frontmann der mir bislang unbekannten Combo XTC  arbeitet nun nur noch als Songwriter, Gitarrist, Labelchef und Produzent und könnte den Deutschrockern unter Ihnen bekannt geworden sein, weil er für den Wahllondoner Herbert Grönemeyer die Texte für die englische Ausgabe des Albums “Chaos” in seine Landessprache übersetzte. Apropos Chaos: Keneally drängelt sich derzeit dicht mit Bandkollegen auf der Bühne unbekannter Clubs – und teilt sich damit das Los so vieler guter Musiker, die für kleines Geld unter mitunter unwürdigen Bedingungen auftreten:

Aber womöglich mag der 51-jährige Keneally ja lieber kleine Clubs (gibt’s auch noch verrauchte?). Allerdings darf die Frage nach der Profitabiliät erlaubt sein, wenn er beispielsweise in Heiligenhaus bei Düsseldorf für 22 Euro an der Abendkasse auftritt und von den Eintrittsgeldern seine drei mitreisenden Bandmitglieder bezahlen muss und den “Godsticks” als special guest eventuell auch noch etwas abgeben muss. Ob freischaffende Musikanten, und seien sie auch noch so gut, unterm Strich dann noch fein an der Frischetheke einkaufen, Versicherungen nebst Grundsteuer B und Tankfüllungen zahlen und das nicht gerade günstige Musikequipment wie Instrumente, Verstärker und Mikros bestellen können? Und wie sieht es mit Rentenansprüchen aus – sind verarmte Musiker später dazu verdammt, tot auf der Bühne umzufallen?

Ein Kollege mit besseren Kenntnissen der Szene als ich wies jedenfalls darauf hin, dass auch professionelle Bands heute ihre Einnahmen vor allem durch Tourneen und nicht mehr vornehmlich durch Tonträger erzielen. Sicher ist dabei nie, dass der jeweilige Laden oder das Open-Air-Gelände vor der Bühne fanvoll wird (oder die bei Hitze, Wind und Regen sich Abmühenden nicht von unzufriedenen Betrunkenen mit unschönen Gegenständen beworfen werden). Die Unsicherheit, in der Künstler wohl immer schon agiert und gelebt haben, ergreift in Zeiten von Zeitverträgen, Entlassungswellen und Dauerkrisen offenbar alle anderen Branchen auch. Get use to it, sagt der geplagte Amerikaner ironisch. Hauptsache gesund, ergänzt der Deutsche. Oder, so lange wir uns an schöner Musik erfreuen können… Sei’s als Band:

Oder reduziert auf quasi Solokunst:

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