Bei Banken sorgen Strafen für Profit

Bei Banken kommt es zu widersprüchlichem Verhalten (alles Alexas Fotos, pixabay)

Bei Banken – so wegen ihres Fehlverhaltens zu hohen Strafzahlungen verurteilt – steigt die Rendite ihrer Aktien nachweislich. Zu diesem „überraschenden Ergebnis“ als „Paradox“ auf den ersten Blick kommt die Studie der Finanzexperten Hannes Köster und Matthias Pelster von der Leuphana Universität Lüneburg. Die beiden Wissenschaftler untersuchten dazu rund 700 Fälle von Geldstrafen, die gegen 68 international agierende Banken zwischen 2007 und 2014 ausgesprochen worden sind. Zwar zeigte sich dabei eine negative Beziehung zwischen der Bestrafung und dem Gewinn vor Steuern, aber eben kein Einfluss auf die Rentabilität nach Steuern.
Kurzum steht im Ergebnis: „Es gab sogar einen positiven Effekt“, wundern sich die Forscher. Allerdings untermauert dies die Erklärung des Duden für den Begriff „Paradoxon“ im Philosophischen – als „nur scheinbar unsinnige, falsche Behauptung, Aussage, die aber bei genauerer Analyse auf eine höhere Wahrheit hinweist“. Diese höhere Wahrheit weckt in mir Assoziationen zum Filmanfang von „Departed – unter Feinden“, in der Gangsterboss Frank Costello süffisant erklärt, angesichts seiner guten Schulleistungen verstoße sein Leben in Kriminalität für das Establishment auch gegen (lateinisch = pára) gängige Meinung (dóxa): „They call that paradox!“ So ist das nicht nur in Boston.

Regeln und Funktionen für Gewinn

Spulen Sie in der voranstehenden Sequenz bei Bedarf vor bis zur Szene in Minute 2:37, grundehrliche Leserschaft, wobei alles drumherum auch sehens- und hörenswert ist. Obwohl Banken hier keine Hauptrolle spielen. Sehr wohl aber in der schönen Studie aus Lüneburg, die unter dem bezaubernden Titel „Financial penalties and bank performance“ in einem Branchen-Fachjournal veröffentlicht wurde. Sie erinnert uns an die Bankenkrise, während der „immer wieder von hohen Strafen für Geldinstitute zu lesen“ war, weil sie „gegen einschlägige Regelungen des Finanzmarktes verstoßen“ hatten. Andererseits ist geneigten Kreisen aus den Wirtschaftswissenschaften das sogenannte „Bertrand-Paradoxon“ bekannt als Gleichgewicht in einem Wettbewerb, in dem beide Anbieter keinen Gewinn machen. Detailliert und wahrheitsgemäß erklärt wird das Phänomen in Gleichungen, Funktionen, Folien hier und hier (ab S. 419).

Auf Milliardenbeträge summiert hätten sich seinerzeit die Geldstrafen, zu denen die Banken wegen ihrer Verfehlungen verurteilt wurden, erinnern die Wissenschaftler. „Entgegen allen Erwartungen“ habe dies aber offenbar nicht dazu geführt, dass sich Anleger dann von den Geldhäusern abwenden. Dafür erklären die Autoren der Studie zwei Gründe als verantwortlich: Erstens können Banken ihre Strafzahlungen steuerlich geltend machen und so ihren Gewinn vor Steuern entsprechend reduzieren. Zweitens steigt das Vertrauen der Anleger in die Handlungsfähigkeit der Geldhäuser. Ja, Paradoxes ist mitunter richtig verrückt!

Besserung betroffener Banken für Profit

Professor Matthias Pelster berichtet quasi beruhigend: „Investoren sind zufrieden, wenn laufende Verfahren abgeschlossen werden konnten und die Banken erfolgreich mit den Konsequenzen ihres Fehlverhaltens umgegangen sind.“ Insgesamt zeige sich mit Blick auf die Bewertung der Unternehmen „ein schon fast paradoxer Effekt von Bestrafungen“, heißt es weiter. Pelsters Bilanz: „Für mich ein klarer Hinweis darauf, dass die Investoren die Strafen als ein Zeichen für ein besseres Management und eine Wendung zu besseren Corporate Governance Strukturen innerhalb der Banken interpretieren.“ Für mich ein klarer Hinweis darauf, wie schnell Geldanleger zufriedenzustellen sind, wenn nur der Rubel wieder rollt. Und das ist nicht paradox, sondern für sie ein Grund zum gnadenlosen Feiern. Ein Hoch also auf Banken und auf Bänke!

 

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