Fremdschämen

Dieser Appell sollte wachrütteln und lasst tief blicken:  Wenn mehr als 30 namhafte Vorstandvorsitzende bekannter Unternehmen aus der Republik ihre Unterschrift unter ein gemeinsames Schreiben setzen, dann liegt etwas Schwerwiegendes im Argen. – So beginnt mein Kommentar in der heute erscheinenden September-Ausgabe der absatzwirtschaft – Zeitschrift für Marketing, der sich auf den jüngsten Appell der Konzernchefs aus den meisten Dax-Unternehmen an den Bundestag bezieht.

Meinen Standpunkt vertrete ich so: Die Top-Manager von Allianz über Bayer bis Daimler, Deutsche Bank oder Deutsche Telekom, von Eon und Linde bis zu Metro und Siemens fordern hierzulande endlich die Umsetzung des UN-Abkommens gegen Korruption und damit die Neuregelung des Strafbestandes der Abgeordnetenbestechung. Ihr Aufruf, der an alle Fraktionschefs der Bundestagsparteien ging, stellt klar: „Das Ausbleiben der Ratifizierung schadet dem Ansehen der deutschen Wirtschaftsunternehmen.“

Verständlich, haben die Konvention aus dem Jahr 2003 doch schon 161 Länder ratifiziert. In der Liste der Länder, die dies bislang unterlassen haben, steht unsere Nation neben Staaten wie Syrien oder dem Sudan. Zum Fremdschämen.

Ihre blockierende Haltung begründen die Parlamentarier vor allem aus CDU und FDP mit dem armseligen Argument, eine Verschärfung wurde sie in der freien Ausübung ihres Mandats behindern. Integre Abgeordnete aber haben nichts zu befürchten.

Mein Kommentar steht in unserem Printmedium am Ende einer Kette von Berichterstattungen, die sich meist mit Bestechungen im Vertrieb beschäftigen. Ich habe dazu unser Printarchiv geöffnet – auf unserer Startseite weiter unten in der rechten Spalte zu finden –  und reihenweise Artikel zum Thema gefunden. Zurück ins Jahr 2006 habe ich mich durchgelesen bis zu meinem Beitrag „Geschäfte im Hinterzimmer“ über Korruption als Vertriebsstrategie. Aktuell anmutend wie frisch von heute fand ich darin drei interessante Zitate, die ich deshalb hier wiederholen möchte: „Auf einen Fall in Behörden kommen drei in der Privatwirtschaft“, stammt von Oberstaatsanwalt Hans-Ulrich Krück. „Vertrieb und Einkauf sind die Klassiker für Korruption“, sagt dort Dr. Peter von Blomberg als Vorstandsmitglied der Aufklärungsorgansiation „Transparancy“. Und den Jurist Hartmut Paulsen vom Baukonzern Hochtief habe ich seinerzeit zitiert mit den warnenden Worten: „Jede Korruption ist teuer und schmälert den Gewinn.“

Das 17-Punkte-Progamm des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) zur Korruptionsbekämpfung ist dort ebenfalls zu finden. Eine wichtige Anweisung lautet: „Korrektes Verhalten und entschiedenes Vorgehen gegen Korruption beginnen bei der Unternehmensleitung.“ Damals war die deutsche Wirtschaft in wenigen Monaten durch aufgedeckte Fälle und Ermittlungen bei Daimler, BMW, Heros, Infineon, Opel, Ratiopharm oder Siemens aufgefallen. Das Umdenken stand erst am Anfang. Der oben gelobte Brief der Dax-Vorstände an die Bundespolitiker scheint mir ein gutes Zeichen auf höchster Ebene. Endlich. In der Breite muss dies jedoch noch kultiviert werden. In Wirtschaft, Gesellschaft, Behörden und Politik gilt es gleichermaßen, das Thema anzugehen.

Korruption gehört geächtet. Sie ist nicht nur moralisch verwerflich, sie verhilft nur kurzfristig zu Vorteilen und schadet langfristig eigentlich allen Beteiligten.

Die Lage der Nation hier in Kürze und in Bildern:

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