Führung fehlt Personal mit biss(chen) Anspruch

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Führen, herrschen, Zähne zeigen: Ziemlich beste Freunde des Menschen zeigen, wie wackere Racker die Personalentwicklung regeln. Foto: Bernd Kasper/pixelio.de

Die Führung von Chefs durch Mitarbeiter fundiert bewertet zu finden, und dann auch noch an einem Tag gleich zwei Mal in aktuellen Studien mit quasi entgegengesetzten Botschaften, ist hier selbstverständlich der Rede wert im Medium für Visionäre, Strategen und Umsetzer. Also vor allem für Helden der Wirtschaft. Wir widmen uns gerne Vorbildern, was schließlich den Appell an alle anderen Kapitäne beinhaltet, mit Bedacht den richtigen Kurs einzuschlagen. Zumal „Leadership“ etwas aus der Mode geraten zu sein scheint. Trotz des Mangels und somit des Bedarfs an Orientierung. Ein Führer sei jemand, der Hoffnung vermittele, behauptete Bonapartes Napoleon, obwohl selbst darin nicht sonderlich erfolgreich. „Führer“ sind hierzulande historisch bedingt verpönt. Damals wie heute funktionieren sie grundsätzlich weder als Schaumschläger noch als Schleicher. „Vorgesetzter“ klingt aufgesetzt, trifft’s aber oft. Was zeichnet gute Chefs aus?

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Macht-Denkmal (Foto: Karl-Heinz Laube/pixelio)

Zufrieden mit ihrem Chef zeigen sich mehr als drei Viertel der Beschäftigten, besagen die Ergebnisse einer Befragung, die jetzt die Bertelsmann Stiftung und der Verein der Marktforschung GfK veröffentlicht haben („Chefs besser als ihr Ruf“). Danach bescheinigen Mitarbeiter ihren Vorgesetzten im Umgang mit Macht mehrheitlich Fairness und Verantwortungsbewusstsein. Ein Drittel der Befragten schätzen sogar machtbewusste Vorgesetzte, weil sie von ihnen einen klaren Rahmen erhalten, innerhalb dessen sie ihre Arbeit frei gestalten können. Knapp ein Viertel der Mitarbeiter bewerten es seltsamerweise als positiv, dass sie „nach klaren Ansagen“ ihres Chefs „wissen, wo es lang geht“. Diese devote Haltung des häschen- und hundehaften Hochschauens nervt. Apropos: Machtposition“ – unter diesem Schlagwort bietet die Foto-Suche das oben präsentierte Tier-Motiv unter anderem zu den Schlüsselbegriffen „fördern, freude, führung“ mit der zusätzlich Zweifel aufwerfenden Bild-Unterzeile „Guck – alle Zähne sauber“. Jawoll, so lieben wir die Zampanos an der Spitze.

Macht Macht blind? –

Führt Vertrauen zu Lust?

„Die positive Sicht der Beschäftigten auf Macht in Unternehmen und wie Vorgesetzte damit umgehen, hat uns überrascht, weil Macht im Deutschen als Begriff oftmals eher negativ belegt ist“, sagt selbst Expertin Martina Schwenk, die auch Führungskräfte im „Kompetenzzentrum Unternehmenskultur“ der Bertelsmann-Stiftung coacht. Allerdings fördert machtbewusstes Auftreten bei jedem Dritten andererseits „eher Widerstand als Vertrauen“, rücken die Bertelsmänner und -frauen den Tenor der Studie halbwegs gerade. Mehr noch: Viele verlieren dann die Lust zur Zusammenarbeit. Ein Fünftel der Befragten haben schlechte Erfahrungen mit direkten Vorgesetzten gemacht, berichten von Drohungen, von Nichtbeachtung, von Ausgrenzung und von ungerechten Kündigungen.

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Immer dieser Adel: Macht-Symbol – hier für das Warenhaus, pardon: für das russische Zarenhaus – am Thron in der „Peter und Paul“-Festung von St. Petersburg. (Foto: Karl-Heinz Laube/pixelio.de)

Eine positive Führungskultur vorzuleben gelinge „nur knapp jeder dritten Chefetage“, ergab die andere neue Studie, soeben veröffentlicht von der Hochschule Osnabrück. Wie das Forscherteam unter der Leitung von Prof. Dr. Carsten Steinert, einem Professor für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt auf Personalmanagement, ermittele, sei „die Toleranz gegenüber Führungskräften“ bei mehr als 60 Prozent der befragten Unternehmen nach wie vor überdurchschnittlich hoch, wenn sie – bei guten operativen Ergebnissen – Schwächen im Führungsverhalten zeigen. Akzeptanz wäre akzeptabler. Das Top-Management deutscher Unternehmen scheue die Umsetzung guter Personalführung und meide Maßnahmen zur Entwicklung und Überprüfung eigener Führungskompetenzen, stellen die Studienautoren nach der ersten Erhebung 2011 erneut fest. Steinert konstatiert: „Damals mussten wir den Unternehmen attestieren, eine schlechte Personalführung eher zu tolerieren als schlechte Zahlen. Nun stellen wir fest: eine gute Personalführung besitzt gerade in den Führungsetagen nach wie vor nicht den erforderlichen Stellenwert. Auch wenn große Unternehmen öffentlich bekunden, mehr Wert auf strategische Werteausrichtung und positive Führungskultur zu legen.“ Alles Lippenbekenntnisse also? Ja, die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit sei in vielen Unternehmen noch sehr groß.

 

Positiven Führungskultur gehe mit 81 Prozent Bejahung unter den Befragten in den meisten Fällen von der Geschäftsleitung aus – diese ziehe sich dann jedoch zurück und delegiere die Hauptverantwortung an die Personalabteilung. Etabliert sei die Weiterentwicklung der Führungskompetenz vor allem auf Führungsnachwuchskräfte-Ebene (77 %) sowie auf die mittlere und untere Führungsebene (73 bzw.  69 %). Für die obere Führungsebene gibt es bei der Mehrzahl der befragten Unternehmen keine Maßnahmen. Kurzum: Je höher in der Hierarchieebene, desto weniger Instrumente zur Führungskompetenz-Weiterentwicklung nehmen Chefs in Anspruch genommen. Außerdem spielt die Beurteilung des Führungsverhaltens innerhalb des Unternehmens mit zunehmender Hierarchieebene eine geringere Rolle. Dabei wäre die durchgängige Kultivierung von Führungskompetenz so wichtig: Denn was Führende tun oder nicht tun, werde von Mitarbeitern gesehen und untereinander besprochen. Das Verhalten der Chefs stehe also besonders im Fokus. Lebe die Unternehmensführungsriege keine gute Personalführung vor, werde sich eine nachhaltige Führungsidentität nicht etablieren können – aller zeitgemäßen Führungsinstrumente zum Trotz.

Erstaunlich, dass für zwei maßgebliche strategische Instrumente von Unternehmen – in Führung und in Kommunikation – immer wieder erhebliche Mängel festgestellt werden. So wie für Medien gilt: Namen sind Nachrichten. So gilt fürs Management: Menschen wirken quasi wie Marken (als Multiplikatoren der Firma), für die Mitarbeiter im Idealfall gerne arbeiten, wenn ihre Bedürfnisse ernst genommen werden. Kluge Führungskräfte nutzen diesen Effekt wie Unternehmen das Corporate Branding zur Entwicklung der Arbeitgebermarke. Da draußen warten schon die Bauernfänger, die damit hausieren, dass der Chef dauernd motzt. Eine Selbstständigkeit inklusive Arbeitsplatz mit Top-Verdienst ganz in der Nähe wäre da eine attraktive Alternative. Und wer will schon nicht einen Geldsegen auf Bestellung“? Wer will nicht „Niemals aufgeben“? Und wer will nicht Wolfgang Rademacher im Rademacher TV anbeten?

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