Zukunft des Handels für Silberrücken

Modehaus

Einzig ein erfolgreicher Einzelhändler ausgerechnet aus dem quadratischen Mannheim ist mit „Engelhorn Mode“ in der Handelszukunftsstudie genannt. (Foto: Engelhorn über HHL)

Die Zukunft des Handels liegt bei den Silberrücken: Mit dem Ändern von Store-Layout und Einkaufsumgebung, zweitens durch das Aufwerten von „serviceorientierten Dienstleistungen“ und drittens mit dem Angleichen des Waren-Angebotes an die Bedürfnisse der „Silver Generation“ (50 plus x Jahre) kann der Einzelhandel vom demographischen Wandel profitieren. Dies haben zwei Forscher an der Handelshochschule Leipzig (HHL) bewiesen. Die Autoren der Studie seien gezielt „Innovationen, die auf der Verkaufsfläche umgesetzt werden“ nachgegangen. Für die Datenbasis hätten sie „im bewährten Fallstudien-Verfahren“ mit vielen Fach- und Führungskräfte der Branche „strukturierte“ Interviews geführt. Leider liefert die Pressemitteilung wenig Konkretes, wie der stationäre Handel „als Marktplatz der Generationen“ gewinnbringend für Kunde wie Verkäufer zu gestalten sei. Einzig ein erfolgreicher Einzelhändler ist genannt mit ausgerechnet „Engelhorn Mode“, der sein Personal gezielt für generationsspezifische Wünsche schule und das Haupthaus im quadratischen Mannheim mit einem Sterne-Restaurant als Treffpunkt für die „Best Ager“ profiliere.

Zukunft des Handels mit Power-Zielgruppe

Diese Zielgruppe zählt für Marketing und Sozialwissenschaften offensichtlich zur interessanten Gattung wegen des relativ hohen verfügbaren Einkommens einerseits und wegen des Risikos auf dem Arbeitsmarkt andererseits, weil sich für sie die Suche nach einer neuen S468799_web_R_by_Michaela Rupprecht_pixelio.detelle ab diesem Alter als ausgesprochen schwierig erweist, obwohl Fachkräfte fehlen. Kurzum: Wenn die „Master Consumer“ können, gelten sie als konsumfreudig, kaufkräftig und qualitätsbewusst. Einigen können sich die Experten eindeutig nicht auf einen Begriff, der die Gemeinten treffend bezeichnet: Neben den hier bereits genannten tauchen noch auf Generation Gold, Generation 50plus, Silver Ager, Golden Ager, Third Ager, Mid-Ager, Mature Consumer, Senior Citizens und eben auch die „over 50s“. Unklar sei zudem bei vielen der genannten Begriffe, ob die Zeit der besten Jahre endet schon mit der Pensionierung und damit dem meist verbundenen Einkommensverlust oder erst mit dem Tod. Das Statistische Bundesamt bezifferte die Gruppe der Best Ager in Deutschland im Jahr 2010 auf  20,7 Millionen und damit 25 Prozent der deutschen Bevölkerung und grenzte die Einteilung auf ein Alter zwischen 50 und 69 Jahren ein – drüber tuZensusAltersaufbau2011mmeln sich die „Seniors“, drunter die „Mid Ager“. Der sogenannte „Zensus Altersaufbau“ des Statistikamtes von vor drei Jahren zeigt dieses gelbe Gebilde hier  rechts im Bild mit Frauen in der linken Hälfte und Männern in der rechten Hälfte – und erinnert an einen Profil-Scherenschnitt zweier rücklings aneinander stehenden und ziemlich streng schauenden Brummbär Ager. Kein Wunder, wenn Warnhinweise wie das obenstehende Verkehrsschild bald lebensrettend sein können: Vorsicht, Silberrücken! (Foto: pixelio.de/Michaela Rupprecht)

Silberrücken: unersetzbar, aber zu teuer

Denn für die bis 1966 geborenen Angehörige der geburtenstarken Jahrgänge sinke zwar die Chance für Unternehmen kontinuierlich, sie durch die wenigen Jüngeren unter den hierzulande aufgewachsenen Arbeitnehmer zu ersetzen. Damit nehme eigentlich das Risiko älterer Arbeitnehmer ab, entlassen zu werden und keine neue Arbeitsstelle zu finden. Also sei zu erwarten, dass mittel- bis langfristig tatsächlich „ein zunehmend größerer Anteil der über 50 Jahre Alten tatsächlich dem Werbe-Leitbild des Best Agers“ entsprechen wird. Allerdings wachse dadurch voraussichtlich auch der Druck auf die Best Ager bezüglich ihrer Bereitschaft lange erwerbstätig zu bleiben, da die Finanzierung des Ruhestandes so vieler Unersetzbarer immer schwieriger werde. Und die finanzielle Lage derjenigen Best Ager, die ohne nennenswerte Kapitaleinkünfte nicht bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter erwerbstätig sein können, werde sich ebenso verschlechtern wie die des Otto-Normal-Rentners.

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Die finanzielle Lage der Best Ager ohne nennenswerte Kapitaleinkünfte und ohne Job bis zur Rente wird sich so trostlos entwickeln wie die aller Otto-Normal-Rentner. (Foto: pixelio.de/Uschi Dreiucker)

Zurück zur Studie namens „Business Model Innovation in the Retail Industry: Growth by Serving the Silver Generation“ von HHL-Juniorprofessor Vivek K. Velamuri (vantastischer Name!) und den eher langweiliger benamsten Veit Gregor Lange. Ihre Forschungsergebnisse zeigen ihrer Meinung nach, wie Einzelhändler konkret ihre Geschäftsmodelle anpassen können, um sich besser auf die Bedürfnisse des wachsenden Kundensegments der Silver-Generation einzustellen. Sie würden beweisen, dass gezielte Änderungen an den drei Stellschrauben aus LadengestaltungServiceexzellenz und Warenspektrum zum Erfolg führen. Früher sei es der Marktplatz gewesen, wo sich die heutige Seniorengeneration traf, heute erwarte sie dies vom Café im Supermarkt.

Terror durch Rentnerrudel

674279_web_R_K_B_by_uschi dreiucker_pixelio.deDer stundenlange Plausch bei einer Tasse Kaffee für 50 Pfennige kann selbstverständlich kein lukratives Geschäft erbringen. Der stationäre Einzelhandel stehe also vor einer Herausforderung in der rasant alternden Gesellschaft. Veit Gregor Lange zieht folgendes Fazit: Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verändere sich rasch, so dass der stationäre Handel diese Entwicklung mit Hilfe seiner physischen Grundeigenschaft für sich nutzen könne – durch die persönliche Interaktion vermittele das Verkaufspersonal dem stationären Handel ein menschliches Gesicht und könne Erlebnisse bieten, die E-Commerce nicht leisten kann. Der stationären Handel übernehmen in Zukunft die Rolle des Treffpunktes der Generationen. Himmel hilf, dass Rudel und Rotten von angehenden Rentnern nicht aus Langeweile unschuldige Kunden außerhalb ihrer Zielgruppe terrorisieren. Wie hier auf allen Wegen der „Oldass Bastards“:

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