Intensivstation gedruckter Rendite feat. Timo Wopp

Wie wundgelegen von der Intensivstation berichtet deutsches Kabarett kritisch über unser geliebtes Land, seine engagierten Politiker und seine freundlichen Finanzdienstleister. Wirtschaft gilt per se als „igitt“. Wohltuend, wenn dann mal ein Witzbold als „Wopp im Schafspelz“ mit Kompetenz und Erfahrung aus realer Ökonomie und mit echtem Insiderwissen sich der Themen annimmt, die viele Lebensbereiche berühren. Mit Wirtschaftsaffinität muss man doch nicht gleich ein Befürworter der Rüstungsindustrie sein! In hohem Tempo gehören bei ihm ausnahmsweise nicht Großkopferte zum Ziel von ausnahmslosen Wirkungstreffern, denn dieser Mann stellt stattdessen sein eigenes Fehlverhalten und damit unser aller Schuld an Miseren infrage ohne auf andere einzudreschen. Egal, ob wie bei RTL II arm blöd oder reich ausgebufft wie auf n-tv. Dies zählt zweifellos zu den Alleinstellungsmerkmalen des Comedian Timo Wopp, der exklusiv ein ausführlichesreturn-04-2016_cover Interview beisteuert für die neue Ausgabe „return 04/2016“, die am heutigen 10. November erscheint (Cover links im Bild). Unsere Intensivstation zum Blättern – der englische Begriff steht übrigens neben Rück- und Wiederkehr ja auch für Ertrag und Rentabilität – liefert als Magazin für Unternehmensführung und Sanierung mit hilfreichem Nutzwert eigentlich auch gedruckte Rendite für Entscheider der mittelständischen Wirtschaft. Denn unsere Redaktion greift vor allem auf, wie Vorbilder profitable Geschäftsmodelle pflegen, aber auch wie Firmenchefs ihre Organisation als Krisenpatient zurück zur wirtschaftlichen Gesundheit ertüchtigen. Nur Nutzwert allein reicht natürlich nicht für eine moderne Zeitschrift, die auch Orientierung, Inspiration und sogar Unterhaltung bieten sollte. Deshalb passt Wopp als selbsständiger Künstler genauso gut zum Heftschwerpunkt „Freiberufler“, weil er Lustiges wie Ernstes zu sagen hat. Und da Beschäftigte in Freien Berufen trotz Selbstbestimmung nicht nur zu lachen haben, sondern auch Nöte und Sorgen, bringt als weiteres Entertainment-Element der nachfolgende Cartoon von Stephan Rürup die Lage bestens auf den Punkt.

Hübsches Heft über
Heilberufe & Co.

return-04-2016_cartoonbDie Selbstständigen-Sorge rund um ausreichend gebuchte Auftritte und bezahlte Aufträge ist aber nur ein Aspekt, den die Ausgabe aufgreift. Freie Unternehmer in den vier starken Sparten aus rechts-, wirtschafts- und steuerberatende Berufen, Heilberufen, technisch-naturwissenschaftlichen Berufen sowie eben Kulturberufen liefern viel Stoff für Storys wie der erfolgreiche Teppichdesigner Jan Kath, der engagierte Fluggast-Advokat Dr. Philipp Kadelbach, der innovative HNO-Chirurg Prof. Gero Strauß, der rennsportaffine Architekt Hermann Tilke oder der künstlerische Tausendsassa Rafael Horzon. Interessant auch, wie Unternehmensberaterin Ivy Shih in China unterwegs ist, wie in Thailand digitale Nomaden auch aus Deutschland vom Strand aus für Kunden weltweit arbeiten, wie Charles Maisel im südafrikanischen Kapstadt neue Ideen auf den Weg bringt oder wie Hebamme Jutta Wohlrab aus Berlin auch in Sydney wirkt. Zusätzlich gibt es im Heftschwerpunkt jede Menge an Nutzwert, Inspiration und Orientierung durch Analysen und Kommentaren von Gastfachautoren – etwa zur digitalen Kanzleitransformation oder zum Kooperationsmanagemereturn-04-2016_bfbbnt zwischen Unternehmen und Freelancern. Herzstück des knapp 30-seitigen Freiberufler-Fokus ist ein Round-table-Gespräch mit dem vierköpfigen Präsidiumsteam des Bundesverbandes Freier Berufe (BFB, rechts im Bild von Fotograf Uwe Steinert), in dem allerlei Angriffe etwa durch die EU auf die verkammerte Berufe zur Sprache kommen. Die namhaften Repräsentanten sind gleichzeitig Chefs ihrer bundesweiten Berufsverbände für Architekten, Ingenieure, Steuerberater und Zahnärzte. Ein knackiges Zitat von vielen daraus: „Von einer Porsche-Generation können wir bei nachwachsenden (niedergelassenen) Praxis-Inhabern längst nicht mehr sprechen.“

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Wie das Management im Gemeinschaftskrankenhaus Bonn gemeinsam mit angestellten Ärzten, Pflegern und Kaufleuten aus drei kleinen Kliniken auch wirtschaftlich einen soliden Verbund unter einem Dach baut, wird in einem weiteren Unternehmensporträt (Bild oben) so ausführlich gewürdigt wie das Wirken des in Sanierungen geübten Onlinehändlers Ernst Schütz in der Unternehmerporträtserie „return masterminds“. Mobilitätsmanager Steffen Lehmann aus Leipzig beschreibt im zweiten großen Interview, wie der Verkehr der Zukunft insbesondere in Ballungsräumen fließt. Warum hinter Leistung auch Haltung steht und starke Marken deshalb eine Identität widerspiegeln, beschreibt Deutschlands bekannteste Branding-Berühmtheit Professor Franz-Rudolf Esch. Und ein dreiköpfiges Autorenteam um den renommierten Wissenschaftler Prof. Holger Pfaff führt aus, warum sich auch für Unternehmer ein betriebliches Gesundheitsmanagment auszahlt. Unter der Headline „Meeting in Marrakesch“ hat Kollegegin Geraldine Friedrich zusammengetragen, wie erfolgreiche Firmen-Veranstaltungen für Kunden und für Mitarbeiter bleibende Erinnerungen hinterlassen. Und mit Vera Hermes hat eine andere vielbeschäftige Freie recherchiert, warum sich Recruiting im Wandel befindet und wer heute wie gute Talente gewinnt. Gregor Hallmann hat unter anderem geprüft, ob sich die ESUG-Möglichkeiten zur Eigenverwaltung in Insolvenzverfahren auch an den Gerichten etabliert haben, und Herausgeber Hans Haarmeyer kommentiert zum BGH-Urteil, wie sich insbesondere Gläubiger von Insolvenzanfechtung schützen, „wenn Kunden wackeln“.

Humorist in Hochform:
„Mit SUV beim Bäcker“

 

return-04-2016_wopp-haseZurück zum eingangs erwähnten Interview mit Kabarettist Timo Wopp (Auszug oben), der sich für das Gespräch in Frankfurt am Main rund satte vier Stunden Zeit nahm. Treffpunkt war übrigens ein freundlicherweise von CMS Hasche Sigle zur Verfügung gestellter Konferenzraum, in dem der Künstler nachmittags noch einmal im Dialog bescheiden bei Wasser und Keksen sklavenähnliche Schwerstarbeit leisten musste, nachdem er morgens schon in Mainz für das „3sat Festival“ für Fernsehaufnahmen mit seinem aktuellen Programm „Moral – eine Laune der Kultur“ auf der Bühne gestanden und geackert hatte. Da ein derart ausgedehnter Frage-Antwort-Austausch mehr Stoff hervorbringt, als ins Heft passt, sind mehrere Teile auch auf return-online.de zu finden – und in kurzen Passagen hier:

Nacht der Legenden 2015 im Schmidts Tivoli am 06. September 2015 in Hamburg. Photo: Morris Mac Matzen/mmacm.com

Verbrennt sich nicht den Mund: Profi-Jongleur und Joke-Profi Timo Wopp. Foto (auch unten): Morris Mac Matzen/mmacm.com

Herr Wopp, wie bewerten Sie grundsätzlich Angebot und Nachfrage auf dem Komikmarkt – sagen wir – in der D-A-CH-Region im internationalen Vergleich?
TIMO WOPP: Das Angebot ist größer als die Nachfrage. Viele gute Künstler sind derzeit mit Abendprogrammen unterwegs. Noch finden sie ihre Nische im übersättigten Markt, die Rebell-Leute, die Poetry-Slamer und die Comedians. Aber jeder von uns muss mehr tun als noch vor zehn Jahren. Wichtig ist nach wie vor die Mund-zu-Mund-Propaganda für Live- Künstler, ansonsten ist das Geschäft nicht viel anders als in der übrigen Unterhaltungsindustrie.

Gehören für Sie als Wirtschaftsexperte und Humorist die derzeit auffälligen Bemühungen um Compliance oder Employer Branding zu Trendthemen, die besonders auf den Arm genommen gehören?
Compliance in seiner aktuell gewichtigen Prägung kommt auf mir oft absurd vor. In meiner Bühnenfigur würde ich dazu sagen: „So lange niemand zu Schaden kommt, ist moralisch einwandfrei, wenn du nicht erwischt wirst.“ Grammatikalisch wie inhaltlich ein sehr verschrobener Satz, aber ganz ehrlich: Wie mühsam muss es im Arbeitsalltag sein, sich ständig einen halben Tag mit Compliance zu beschäftigen.

Nehmen Sie Nachhaltigkeit ernst?
Nachhaltigkeit finde ich schon gut. Nur hat die Manager-Generation bei VW wohl nie wirklich daran geglaubt, wie der Abgasskandal zeigt. Vermutlich haben die sich nur gedacht: Ja, ja – wenn unsere Kunden als Autofahrer mit ihrem dicken SUV beim Bäcker ihre Brötchen holen, dann erfinden wir dafür „BlueMotion“. Der Umweltschutz-Gedanke war bis jetzt bei Autobauern offensichtlich nicht stark verankert; aber auch wir lieben anscheinend Mogelpackungen.

Wie sehen Sie das neue Streben von Firmen nach Glaubwürdigkeit und Transparenz?
Im Management dominiert doch eher das Diktat des Kostenmanagements. Dabei ist für mich klar, dass es sich damit so verhält wie mit der Konsenssuche in der Comedy. Beides bringt nur kurzfristige Erfolge. Fortentwicklung sieht anders aus. Mit dem Messen an Quartalszahlen würde ich mich als Freiberufler jedenfalls nicht weiterentwickeln.

Orientieren Sie sich gar nicht an Zahlen?
Muss ich. Leider. Nach einem guten Jahr mit Tournee treiben mich im darauffolgenden Jahr so hohe Steuervorauszahlungen, dass ich mindestens genauso häufig auftreten müsste. Vielleicht bräuchte ich aber eigentlich mal ein halbes Jahr für Recherchen. Ein Drei-Jahres- Schnitt wäre deshalb bei Steuern sinnvoller.

Ist Unternehmertum, permanent ein profitables Geschäftsmodell am besten auf Wachstumskurs zu führen, im Kern humorlos, dem nichts Gutes abzugewinnen ist?
Ich kenne viele kleine und mittlere UnNacht der Legenden 2015 im Schmidts Tivoli am 06. September 2015 in Hamburg. Photo: Morris Mac Matzen/mmacm.comternehmen, in denen sich Inhaber sozial ausgesprochen verantwortlich fühlen. Meist sind das Firmen mit zwölf bis 20 Mitarbeitern. Da mache ich Unternehmern keinen Vorwurf, wenn sie an diese Aufgabe nicht mit Humor gehen. Ich kann dem Wirtschaften in der Wirtschaft absolut etwas Gutes abgewinnen.

Mehr Wopp wie gesagt im heute erschienenen Magazin und online. Nur im Printprodukt und wie immer hier als extra Zugabe das Editorial als Einstimmungstext:

Wissenskunst

Das Hohelied auf die geschichtsträchtige Gestaltungskraft der Freien Berufe beginnt mit Heilkundlern des Vorderen Orients vor 6.000 Jahren. Architekten und Ingenieure folgen als Erfinder von Bauwerken wie Pyramiden, von Bewässerungsanlagen oder des Rades. Fortschritt durch Forschung und Wissenschaft – diesem Wirken gibt erst der römische Enzyklopädist und Jurist Martianus Capella den Namen „artes liberales“ für freie Künste. Für ihren positiven Einfluss aufs Gemeinwohl genießen diese Berufsstände ab der Antike sogar Privilegien und Immunität, und zum Schutz von Staatseinfluss und zur Selbstbestimmung bilden sich in der Neuzeit öffentlich-rechtliche Standesorganisationen wie Kammern für Ärzte, Apotheker, Advokaten.

Beneidenswert bevorzugte Beschäftigte also einer deutschen Wirtschaftsmacht aus knapp fünf Millionen Erwerbstätigen, von denen mehr als 1,3 Millionen als Selbstständige arbeiten? Akut bedrohen allerlei Attacken die Autonomie, Akzeptanz und Kompetenz der begehrten Berufe in Beratung, Technik und Naturwissenschaft, Kultur und Gesundheit. Übertragen auf die Branche stimmt, wovor der griechische Arzt Herophilos schon 335 v. Chr. warnte: „Ohne Gesundheit können sich Wissen und Kunst nicht entfalten, vermag Stärke nichts auszurichten, und Reichtum und Intelligenz liegen brach.“ Gemeint sind hier und heute vor allem gesunde Geschäftsmodelle der Wissenskunst mit möglichst geringen Insolvenzquoten. Doch die „Zukunft der Freelancer“ beschreibt Karriere-Coach Svenja Hofert als Dreiklassengesellschaft: verkammerte Freiberufler mit noch dauerhaft gutem Verdienst in Deutschland und Österreich, freie Projektberater in Unternehmen mit nur zeitweise gutem Einkommen, gewerbliche Solounternehmer für Unternehmen mit permanenter finanzieller Unsicherheit.

Ein Gesamtbild der Gruppe, die im Paragraf 18 des Einkommensteuergesetzes definiert ist, und Lösungen für sie zeigt diese Ausgabe. Als Herzstück des Heftschwerpunktes bestätigten vier Vizepräsidenten des Bundesverbandes Freie Berufe im Spitzengespräch aus der EU-Ecke kräftige Boxhiebe von Angreifern. Neben Porträts von mutigen Vorbildern (…) sind zum Schutz erhellende Analysen der Selbstständigen-Strukturen oder der Kanzlei-Transformation zu finden.

Sogar Kabarettist Timo Wopp widmet seinen Rat im Interview unternehmerischen Niederschlägen: „Dranbleiben, auch bei Flauten! Das heißt nicht zwanghaft festzuhalten, aber eben auch nicht lockerzulassen.“ Wie trainierte Freiberufler sich alleine bestens durchboxen, offenbart dieses Magazin kraftvoll – und damit stärkend für jeden gegen Krisen kampfbereiten Unternehmer.

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