Aufrichtiger Ausblick aufs Jahr 2017

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So wird 2017: wie Plätzchen mit Puderzucker, aber teilweise auch brüchig und fleckig. Foto: Alexandra H./pixelio.de

Ultimativ den Jahresausblick 2017 anzubieten scheint mir geeigneter hier Leserschaft einzufangen als den zigsten Jahresrückblick 2016 herunterzunudeln. Außerdem verhindert dies aus blankem Eigennutz, dass ich nicht einschlafe beim Schreiben, weil erstens per se der Akku langsam „alle“ läuft zum anno-Ausklang, und weil zweitens eine Wiederholung wie im Vorjahr schlummerlangweilig wäre. Andererseits lag ich mit dem verspäteten Startschuss für ein Jahr 2016 „kraftvoller Ausdrücke und Auftritte“ ziemlich richtig: Die Hauptdarsteller der zur Neige gehenden zwölf Monate fielen vor allem auf durch Lautstärke, Lügen und Krawall. Bezeichnendes Beispiel: Trump. Gemächlich dagegen startet das kommende Jahr mit einem Sonntag und endet mit einem eben solchen. Top! Mit der Ruhe vorbeisein wird’s aber schon am 20. Januar, wenn der 45. Präsident der Vereinigten Staaten ins Amt eingeführt wird; Frauen bleiben bitte an diesem Tag im Heim bei gut verschlossenen Türen und Fenstern. Immerhin dürfen wir zum Ausgleich gleich vier 100. Geburtstage von US-Amerikandern feiern: Zsa Zsa Gabor, Ella Fitzgerald, Dean Martin und John F. Kennedy. Glückwunsch!

Jahr 2017: Politikpunkte-Prognose

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Foto: Tim Reckmann/pixelio.de

Bemerkenswert sein wird aber vor allem noch einmal der Kennedy-Todestag, denn der 35. US-Präsi wurde bekanntlich am 22. November 1963 von Gewehrkugeln getroffen, wobei um das Attentat in Dallas doch einige Mythen und Mysterien mäandern, weshalb die berüchtigte „Warren-Kommission“ den Fall so lange untersuchte, bis nur noch ein Täter dabei herauskam. Wir dürfen also gespannt sein, wenn die geheimgehaltenen Akten in 2017 nach mehr als 50 Jahren endlich öffentlich werden. Vielleicht erfahren wir dann auch, warum Kennedys Nachfolger Johnson die Unterlagen ursprünglich für 75 Jahre unter Verschluss halten wollte. Kleiner Haken: Die Papiere werden nur zugänglich gemacht, wenn der dann aktuelle Präsident Trump nicht einer Verlängerung der Geheimhaltung zustimmt.
Mulmig wird’s mir mit Blick auch auf die deutsche Politik: Nicht weniger als fünf Wahlen stehen zwischen dem 12. Februar (Bundespräsident) und 17. bis 24. September (Bundestag) auf dem Jahresprogramm. Bange betrachte ich den baldigen Ausgang an den Urnen angesichts der Bräsigkeit leicht einzufangender Wähler, die auf Populisten-Angebote hereinfallen. Da Lautstärke im Trend zu liegen scheint – siehe oben schon zur zurückliegenden Prognose für 2016 – ist die Hoffnung gering, dass die Petrys und die Le Pens dieser Welt wie einst die Republikaner zügig in Vergessenheit geraten. Denn auch Frankreich wie die Niederlande und Norwegen rufen an einem der kommenden 365 Tage ihre Völker an die Stimmzettelbox. Funkelnd!

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Foto: Denise/pixelio.de

Komisch: CL-Finale in Cardiff

Beschaulich geht es im Vergleich geradezu im Sportjahr 2017 zu: Vierschanzentournee, Afrikafußballmeisterschaft und am 3. Juni das Champions-League-Finale ausgerechnet im Brexit-entschlossenen Vereinigten Königreich Großbritannien. Warum eigentlich noch?! Nur weil Cardiff aus purem Glück zu Wales gehört? Stellt diese Fußballnation überhaupt einen CL-Team?! Mein Merksatz fürs Mitmachen: Weggegangen, Platz vergangen! Das gilt auch für europäische Endspiele nach Austritt aus der EU-Staatengemeinschaft. Das Kulturjahr dagegen eröffnet – als nicht mehr für möglich gehaltener Höhepunkt – gleich im Januar mit der offiziellen Eröffnung der Elbphilarmonie in Hamburg einen Kunsttempel, wenn’s nicht doch noch vorher reinregnet in den Jahrhundertbau. Erwähnenswert scheint sonst nur noch die internationale Gartenschau in Berlin ab dem 13. April, die hoffentlich nicht allein aus einer Kakteensammlung besteht.

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Foto: Denise/pixelio.de

Die Wissenschaft läutet erst zum Jahresabschluss im Dezember zu einem Top-Event: Dann soll der erste Zug mit Wasserstoff-Antrieb für den regulären Linienverkehr an den Start gehen – unter der Regie des merkwürdig benamsten Betreibers „Alstom Coradia Lint“ , was doch eher wie ein Atomkonzern klingt. Für die deutsche Wirtschaft steht uns leider nur ein erwähnenswertes Ereignis ins Haus: Die Inbetriebnahme der Eisenbahnneubaustrecke Erfurt-Ebensfeld, was zu erheblichen Reisezeitverkürzungen im Nord-Süd-Fernverkehr in Deutschland führen soll, wobei das den unter ständigen Störungen stöhnenden Reisenden im wie Paris oder London vergleichsweise gleich großen Ballungsraum im Ruhrgebiet schnurzpiepe sein wird, bis endlich ihre Mobilität auf Schienen beschleunigt wird. Mehrere Finsternisse hat auch die Astronomie für Mond und Sonne im Jahr 2017 zu bieten. Kostenloser Ratgeber-Tipp: Immer schön die Augen dunkel bebrillt und damit geschützt auf die brennenden bzw. beleuchteten Bälle schauen!

Luther-Schwarzenegger-Erinnerungsjahr

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Foto: Denise/pixelio.de

Die Ohren besser zuhalten sollten wir modernen Menschen uns bei O-Tönen wie diesen altbackenen Religion-Rowdy-Regeln: „Eine Frau hat häuslich zu sein, das zeigt ihre Beschaffenheit an; Frauen haben nämlich einen breiten Podex und weite Hüften, daß sie sollen stille sitzen.“ – „Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, dass die Männer durch sie geboren werden.“ – „Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts.“ Die selbstgefälligen Sprüche stammen laut kritscher Projektwerkstatt-Quellensammlung allesamt vom geradezu vergötterten Evangelen-Helden Martin Luther. An dieser Stelle darf bzw. muss deshalb die Frage gestattet sein, warum angesichts dieses Frauen-Frevlers zum 500er-Jubiläum der Reformation diesmal der 31. Oktober für alle Bundesländer sogar zum Feiertag erhoben wurde statt einen Bußtag einzulegen.
Als zweifelhaftes Zeitdokument für unsere Zukunft – entstanden nach der vermutlich durchgeknallten Roman-Vorlage „Menschenjagd“ des seltsamen Horror-Schriftstellers Stephen King – mutet der vor exakt 30 Jahren produzierte Film „Running Man“ an, der im Jahr 2017 spielt. Die flache Handlung ist schnell erzählt: Die Weltwirtschaft ist zusammengebrochen, Nahrungsmittel und Energieversorgung gelten als Mangelwaren, in Amerika sind alle Freiheiten futsch, die US-Landesgrenzen bleiben abgeriegelt und die Behörden im Polizeistaat zensieren Film, Literatur und Kommunikation. Frappant, wie sich diese Schilderung mit unseren Vorstellungen vom Trump-Staat decken. Zum dort gezeigten TV-Programm gehört eine populäre Sendung, in der verurteilte Kriminelle um ihr Leben spielen, was „Running Man“-Kandidat Arnold Schwarzenegger in der ihm typischen Art sogar mit kräftiger Unterschrift besiegelt:

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