Planung 2015: Mehr Wahrheit, Klarheit, Heiterkeit

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„Alles wird schön!“ klingt als Motto für 2015 besser als das von Nina „Hasst mich“ Ruge stets bemühte „Alles wird gut“. Miese Bausünden abzureißen bzw. im aktuellen Kalender zum Abriss freizugeben, ist eine prima Idee und ein lobenswertes Vorhaben. (Foto: Quadriga)

Für die Planung interessierter Media-Vermarkter gilt es hier zum Jahresauftakt mit Inbrunst zu behaupten: Dieses Blog für Werbung zu buchen ergibt mehr Sinn als vieles andere, denn zum einen spült jede Anzeigenschaltung das liebe Geld schön an die richtige Stelle, nämlich in die leere Schatztruhe eines durch Medien-Havarie im weichen Sand schuldlos liegenden Gestrandeten. Zum anderen dominieren unter den Tausenden von Lesern pro anno selbstverständlich die sogenannten „Leads“, so dass professionelle Marketer mit einem Investment in diese Internetpräsenz ihre fundamentale Aufgabe zur Neukunden-Gewinnung erfüllen, nämlich Kontakte zu Top-Entscheidern für ihre Interessenten-Datenbank zu generieren, um – gerne auch über die Kommentarfunktion unten – in einen offenen Dialog über gutmeinende Unternehmen und tolle Produkte zu treten. Obendrauf lege ich, wie es sich für einen richtigen Marktschreier gehört, noch einen frischen Fisch extra. Die eigene Leistung besser feilzubieten und jedes Pfund wohl überlegt richtig auszuspielen, so könnte einer meiner Vorsätze für 2015 lauten.

Starke Worte, schwache Vorsätze

„Der Entschluss wird oft von uns gebrochen. Der Vorsatz ist ja der Erinnerung Knecht, stark von Geburt, doch bald durch Zeit geschwächt, wie herbe Früchte fest am Baume hangen, doch leicht sich lösen, wenn sie Reif‘ erlangen.“ Dieses Zitat des Dichters und Dramatikers William Shakespeare habe ich zuletzt befreundeten Kunden und kundigen Freunden in Auszügen mit dem Weihnachts- und Neujahrsgruß zukommen lassen. Starke Wortwahl, wie ich finde, wenn auch antiquiert anmutend. Allerdings ändert das Alter dieses Aphorismus und die für uns gestelzt klingende Formulierung nichts an seiner Wahrheit Kern. Das Aus-den-Augen-verlieren von Vorhaben scheint des Menschen Schwäche immerdar zu sein. Apropos: Bauvorhaben wie die Bankrotterklärung des irgendwann internationalen Airport BER bestimmen gar nicht unwesentlich den Rückblick zwanzig-vierzehn, dem wir uns im Vorwärtsmedium aber nicht weiter widmen wollen wegen relativer Ereignis- und Belanglosigkeit. Heute las ich im Zuge der Berichterstattung über die Pegida-Gegenbewegung pro Flüchtlinge in einem Zitat eines dieser bewegten Gefühlsdusel-Dödel, es müsse endlich wieder eine „Willkommenskultur“ hurtig Einzug halten bei uns Eingeborenen und Zugezogenen. Ich hatte gehofft, das inflationär umher greifende Kulturgewese sei endlich ausgestorben und es würde schlicht nur noch geholfen.

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Dagegen hat das Jahr 2013 kulturell das längst überfällige Buch „Die Kunst der Bausünde“ von Turit Fröbe hervorgebracht, weshalb ich die späte und trotzdem noch rechtzeitige Empfehlung zum Schauen, Staunen, Kaufen ausspreche. Merksatz daraus: „Je größer ihr Störfaktor im Stadtbild, desto wahrscheinlicher ist es, dass es sich um eine gute Bausünde handelt, die eine Bereicherung für ihre Stadt sein kann.“ Die ausgewiesene Expertin, deren von der Herkunftsbedeutung eher zerstörerischer Vorname überhaupt nicht mit ihrem kultivierten Schreibstil korrespondiert, schreibt zum Beispiel über das sonst oft gelobte Shopping-Center in Berlin: „Das Alexa soll an Art deco erinnern und an die ,unbeschwerten Zwanzigerjahre‘ anknüpfen, so der Investor. Art deco sah zwar anders aus – aber wer wird denn bei großen Gebäuden kleinlich sein.“ Recht so.

Geldgleichnis und Wachstumsbotschaft

Bei schlechten Bausünden setzen nicht nur Verantwortliche aus Behörden oft viel Geld in den Sand. Gegeißelt wird auch der Diener im biblischen „Gleichnis vom anvertrauten Geld“ (Matthäus, 25, 14-30), weil er ein Talent seines Herrn im Sand vergrub. Als schlecht und faul wird er gescholten, weil er die Knete nicht wenigstens zur Verzinsung bei der Bank anlegte, bekommt das eine Geldstück abgenommen, um es dem Diener mit besserem Sinn fürs Mehren zuzustecken, „denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben“, wohingegen der Nichtsnutz hinausgeworfen wird in „die äußerste Finsternis“, damit er „heulen und mit den Zähnen knirschen“ kann. Der Vorgang in dieser bildhaften Erzählung gibt zu denken über die damit einhergehende Botschaft, dass Wachstum um jeden Preis zu erzielen sei. Gewissermaßen Glaubenssache. Egal, was es kostet. Dass die moderne Kirche sich daran hält, führten die jüngst veröffentlichten Bilanzzahlen deutscher Bistümer imposant vor Augen. Auch aus Scham die Beleuchtung des Kölner Doms kurzfristig einzustellen, war da schon das richtige erste Zeichen.

Was aber nehmen wir uns vor, für die kommenden zwölf Monate? Hier eine bescheidene Orientierungshilfe in zehn Geboten:

  1. Bei allen Vorhaben fürs neue Jahr immer schön bei der Wahrheit bleiben.
  2. In der Kommunikation stets um Klarheit bemühen.
  3. Denken und Handeln in Heiterkeit sei unsere diesjährige Maxime.
  4. Die seltsamerweise auf Englisch sympathischer rüberkommende Frage „Does humor belong in life?“ unbedingt mit „Ja, sicher!“ beantworten.
  5. Dummes Zeug offen und ehrlich einfach als „Mist“ zu bezeichnen ist ausdrücklich erlaubt.
  6. Hole endlich das Egoismusschwein rein und lasse die Rücksichtssau raus!
  7. Jegliche Einschränkungen im Service à la „Kännchen gibt’s nur draußen“ sind mit sofortiger Abwanderung abzustrafen.
  8. Als Kunde feilsche ich künftig nicht zuerst um den Preis, sondern fördere und fordere lieber eine bessere Leistung, mit der ich dann aber in der Tat zufrieden bin.
  9. Inhaber und Manager verstärken wieder ihre Bemühungen, die marktorientierte Unternehmensführung vorzuleben, wobei sie mit der Wertschätzung ihrer Mitarbeiter beginnen, damit die das gute Gefühl gleich an Interessenten und Partner weitergeben.
  10. Wir alle halten bei unseren Wünschen brav ausgeglichen die Balance zwischen möglichem Bedürfnis und tatsächlichem Bedarf.
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