Sonne speist Signale

Die schlauen Schweizer sorgen wieder mal für Aufmerksamkeit – mit einem spektakulären Auftrag: Siemens stattet einen Großteil des Streckennetzes der Schweizer Bundesbahn (SBB) mit seinem sogenannten „ETCS-Zugbeeinflussungssystem“ aus. Blöder Name, fortschrittliche Sache.

Denn von 2012 bis 2017 werden rund 430 Stellwerke und über 9000 Signalpunkte auf das Europäische Zugsicherungssystem ETCS umgerüstet. Dabei verfügen mehr als Hälfte der gelieferten Signalschalteinheiten über Solarzellen und sind damit energieautark. Im Vergleich zu konventionellen Lösungen spare die SBB damit pro Jahr über 850.000 Kilowattstunden Strom, stellt der deutsche Technologieriese heraus, der bekanntlich grün werden will. Auf den ersten Blick bzw. auf den ersten Lauscher klingt das wie Nachhaltigkeit, die konkret in der Praxis greift.

Der Auftrag umfasst insgesamt ein Volumen von 125 Millionen Euro und schließt den Support der installierten Signaltechnik für 25 Jahre ein. Diese allerdings bescheuert benamsten „Zugbeeinflussungssysteme“ ergänzen die sichtbaren Streckensignale, die dem Lokführer anzeigen, ob und wie schnell er fahren darf (wieso heißen die dann nicht beispielsweise Zugfahrassistent?!). Jedenfalls übermitteln dieses Systeme ihm die Anweisungen zusätzlich per Funk. Wenn der Lokführer nicht reagiert, bremsen sie automatisch. Heute gibt es in Europa rund 20 inkompatible Zugbeeinflussungssysteme (das muss sich ändern!), so dass an vielen Grenzen die Lok gewechselt wird. Das ETCS (European Train Control System) schafft einen Standard (na, endlich!). Es wird an allen neuen Anlagen installiert, während die Umstellung der bestehenden Trassen und Züge nach Bedarf erfolgt.

Trainguard von Siemens Mobility and Logistics sei ein komplettes Portfolio für die ETCS-kompatible Ausstattung von Loks und Strecken, wirbt das Unternehmen. Unter anderem senden Eurobalisen (noch so ein beknackter Begriff!), das sind im Gleis montierte Funkeinheiten, Daten an eine Antenne im Boden der Lok. Schalteinheiten an der Strecke übertragen die Signalinformationen an die Balisen.

Die SBB habe sich für die Umstellung auf ETCS entschieden, weil die bestehende Signaltechnik modernisiert werden sollte. Eine Herausforderung sind dabei jene Zugsicherungen, die bisher keine Stromversorgung haben. Sie übermitteln nur die drei Signale „Fahrt“, „Halt“ und „Warnung“ über magnetische Induktion an den Zug.

Siemens entwickelte deshalb eine mit Solarzellen betriebene Schalteinheit, die genug Energie erzeugt, um die Informationen an die Balise zu senden. Dadurch sinkt der Stromverbrauch, und es fallen keine Kosten für die Verkabelung von über 5000 Signalpunkten an (noch ein Vorteil!). Für die Übermittlung komplexerer Daten wie Geschwindigkeitsprofile wurden konventionelle Schalteinheiten verbaut. Im Zuge der Umrüstung erhalten auch die Schaltanlagen in den 430 Stellwerken, deren Technik sich über drei Generationen erstreckt, einen einheitlichen Standard.

Apropos einheitlicher Standard: Mitunter fragt man sich angesichts der vielen Youtube-Videos über Zugunfälle, ob die Triebwagenfahrer tatsächlich die gleichen Signale erhalten. Wie sonst ist so ein Durcheinander wie hier in Buenos Aires zu erklären:

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