Adventszeit ist Spendenzeit

Mutet an wie Advent, ist aber ein Motiv von der Aids-Konferenz 2016 im südafrikanischen Durban, die im Juli stattfand. Foto: Unaids

Zum Spenden ist unsereins heute, am 1. Dezember, so gar nicht zumute. Frierend in dicken Spendierhosen zieht man sich eher in ein warmes Eckchen des Heims zurück.  Denn frostig startet der letzte Monat des Jahres mit dem meteorologischen Winterbeginn. Aber heute begehen wir auch den Welt-Aids-Gedenktag, der sich im kommenden Jahr schon zum dreißigsten Mal jährt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte erstmals im Jahr 1988 zu diesem Anlass zum Erinnern aufgerufen. Mittlerweile organisiert die Aktionen zum Gedenktag eine Projektgruppe mit dem gespreizten Namen „Gemeinsames Programm der Vereinten Nationen zur Reduzierung von HIV/Aids“, kurz: Unaids. Zu ihren Zielen zählt, Aids-Kranke nicht mehr wie Aussätzige zu behandeln und ihnen wirksame Hilfe angedeihen zu lassen. Dafür zünde ich doch gerne mal eine Kerze an.
Haben Sie Dank, Herr Habdank, für Ihren Beitrag im „Finance-Magazin“ über Grenzgänger aus Anwälte- und Beraterkreisen, „die Unternehmen dazu ermutigen, sich auf dem Rücken der Gesellschaft über ein Insolvenzplanverfahren zu entschulden“, wie Sie schreiben. Die scharfe Kritik stammt allerdings vom Verband TMA Deutschland und seinem Vorsitzenden Kolja von Bismarck mit der Botschaft: Nicht alles, was rechtlich möglich sei, sei auch ethisch akzeptabel. Mit neuen Mitteln des Insolvenzrechts zu Lasten der Gläubiger die Schulden abzuschütteln, sei für Unternehmen nicht lauter, werde aber als rechtlicher Kniff aufgezeigt. Die Nerven scheinen blank zu liegen in einer Branche, die angesichts der deutlich reduzierten Fallzahl von Restrukturierungen um Mandate kämpft.

Spenden für die Schweiz

2. Dezember: „Endlich ist die Digitalisierung in der Schweiz angekommen“, beginnt Personalberaterin Doris Aebi ihre heutige Kolumne für die „Neue Züricher Zeitung“. Wobei sie trotz oder wegen der „vielen unternehmerischen Köpfe“ auch noch „viel Umbaubedarf“ sieht in der Wirtschaft ihres Landes, denn Politik könne zwar Unterstützung leisten bei der Anpassung von Infrastruktur, aber die eigene Transformation in der Führungs- und Unternehmenskultur müsse jede Firma selbst angehen, wobei für sie das Vertrauen der Unternehmensführung in die eigenen Mitarbeiter als „der zentrale Schlüsselfaktor“ gilt. Kurzum: Der neue Chef sei kein tonangebender Befehlsgeber, sondern arbeite eher mit Empathie und Kreativität. Erstaunlich, dass überhaupt noch alte Chefs im Sattel sitzend Zügel halten und wir darauf schreibend eingehen müssen. Oder ist der geforderte moderne Führungsstil nur eine Modewelle, auf der Arbeitgeber wegen Fachkräftemangel reiten? Spenden bitte aufs Konto „Aktion Sorgenchef“!

3. Dezember: Die insolvente Fluggesellschaft Alitalia bestellt, obwohl die alten erst eineinhalb Jahre alt sind, neue Uniformen bei der weltbekannten Designerin Alberta Ferretti, die mit der Kollektion „das beste an italienischer Kreativität, Eleganz und Stil in die Welt tragen“ (sic!) lassen will. Dafür würde ich spende. Andererseits: Welch’ wunderschönes Eigentor wieder von Euch, beste Edel-Italiener! Erst die Qualifikation zur Fußball-WM verbaseln, dann zumindest das Pleitegeier-Staatsflugpersonal mit ausstatten und – wie man hört – nun auch noch Berlusconi nicht beim Comeback abhalten.

4. Dezember: Röntgenstrahlen, Ultraschall oder Kernspin – Studenten der Biomedizinischen Technik an der Hochschule Landshut haben erforscht, inwieweit lernende Systeme bei Schädel-MRT-Aufnahmen vorsortieren können, damit sich Ärzte stärker auf auffällige Bilder mit womöglich negativen Befunden konzentrieren können. Für die automatische Klassifizierung von Bildern in „krank“ und „gesund“ kommen Algorithmen zum Einsatz. Nicht zum ersten Mal – Machine Learning ist im Kommen.

5. Dezember: Huchhu! „Der Aktionär“ titelt: „Wieder groß in Mode: Tom Tailor auf Turnaround-Kurs – Aktie vor Kaufsignal“. Gut für alle, die sich vorher komplett mit TT-Aktien eingekleidet haben.

6. Dezember: EU-Wettbewerbshüter holen die Meinung anderer Marktteilnehmer ein, um über geplante Übernahme von Teilen der insolventen Air Berlin durch die Lufthansa zu entscheiden, meldet das „Geschäftsreisemagazin Biz-Travel“. So ein Verfahren sei üblich, die erste Prüfphase ende am 21. Dezember. Hintergrund: Die EU-Kommission müsse bei europaweit relevanten Zusammenschlüssen prüfen, ob Wettbewerbsverzerrungen oder Nachteile für Verbraucher entstehen könnten. Auf die Einschätzungen der befragten Unternehmen warten wir gespannt wie auf den Nikolaus.

Spenden für die Hülsenfrüchteindustrie

7. Dezember: „Wenn Umweltaspekte stärker in die Produktkommunikation einbezogen und Konsumbarrieren abgebaut werden, könnten Hülsenfrüchte schon bald wieder einen höheren Stellenwert in unserer Ernährung einnehmen“, bilanzieren Wissenschaftler der Georg-August-Uni in Göttingen ihre Forschungsarbeit zum „Marketing für Hülsenfrüchte“. Kein Quatsch! Dazu fügt das „Department  für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung – Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte“ (Kein Quatsch!) dieses Bild bei mit der Unterzeile: „Innovative Produktgestaltung: Nudeln aus Erbsen. Foto: Dominic Lemken“ (Kein Quatsch!).

8. Dezember: Den Reiz von Verschwörungstheorien und „Fake News“ haben Bamberger Psychologen im Zuge von Wahrnehmungsprozessen erforscht. Denn: Alternative Fakten haben „Hochkonjunktur“, wie sie vorwegschicken. So halten fast 40 Prozent der Amerikaner für eine Lüge, und alle deutschen „Reichsbürger“ verneinen die Existenz der Bundesrepublik.
Die Psychologen Marius Raab (unten links im Bild) und Claus-Christian Carbon (r.) untersuchen, warum Menschen an Verschwörungstheorien glauben und geben dazu ein ausführliches Interview. Den Test an 30 Teilnehmern führten die Wissenschaftler anhand von „Aussagen“ zum Terroranschlag 9/11 (in Worten: nine/eleven) in New York durch. Ergebnis: Die Konstruktion einer Erklärung, die die offizielle 9/11-Sichtweise der amerikanischen Regierung in Frage stellt oder sogar ablehnt, fand eine deutliche Mehrheit. Befund: Verschwörungstheorien sind kein Nischenphänomen.

Die Psychologen Marius Raab (l.) und Claus-Christian Carbon (r.) untersuchen mit Informationskärtchen, warum und unter welchen Bedingungen Menschen an Verschwörungstheorien glauben. Foto: Claudia Muth/Universität Bamberg

Spenden für Redaktionskreativität

9. Dezember: Textanfänge wie diese fallen mir derzeit wieder verstärkt unangenehm in Zeitungsberichten auf: Adventszeit ist Spendenzeit (beliebig durch andere Begriffe zu ersetzen). Hier beginnt der Beitrag zwar anders unter der Überschrift „Greenpeace erbt viel Geld – und eine Hündin“, aber die Nachricht im schweizerischen „Blick“ über Testamentstrends ist nicht weniger teuflisch gut. Bestimmt hätte „Bild“ getitelt „Tierliebe grüßt mit Nachlass aus dem Jenseits“ oder so ähnlich.

10. Dezember: Ähnlich doof, wenn auch prominent besetzt mit Christian Bale, Gerard Butler, Jake Gyllenhaal und Hugh Hackman: „From fat to fit: Die 4 krassesten Hollywood Schauspieler und ihre Transformation“ (sic!) aus – wie bitte?! – „fitpedia.com“. Sagt, dass das nicht wahr ist, beste Testsieger Weightwatcher!

Wahr war dagegen das Bekenntnis des BVB-Sportdirektors Michael Zorc vom 25. November mit dem niederländischen Coach Peter Bosz den Turnaround beim schwächelnden Profi-Fußballclub zu schaffen – bis jetzt. Der Trainer ist als schwächstes Glied wohl doch am leichtesten auszuwechseln: durch den charmanten Herrn Stöger aus Wien. Holland oder Österreich – Hauptsache Peter, würde Andy Möller sagen.

Spenden für den Osten

11. Dezember: Versöhnliches zum vorläufigen Schluss: Der Zusammenhalt der Gesellschaft in Deutschland sei „stark“, urteilt die Bertelsmann Stiftung und tritt damit dem schlechten Ruf entgegen. Allerdings würden „Armut und geringe Teilhabechancen (ihn) gefährden“. Spenden sind gefragt: Insbesondere für den Osten, denn dort falle der Zusammenhalt geringer aus als im Westen. Wachsende kulturelle Vielfalt schwäche das gemeinschaftliche Miteinander nicht, so die Ergebnisse im Stakkato. Und, wie gut ist der Gesellschaftskitt in Ihrer Gegend? Schauen Sie selbst:

Schunkelnde Saarländer, gehässige Hamburger? Grafik: Bertelsmann Stiftung

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