Spenden ohne Not

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„Och, guck‘ mal wie er guckt!“ – Dieser Blick einer sympathischen Heulsuse hilft Hunden harte Herzen zu brechen. Das Tier bekommt, was es will. „Wer will, der kriegt“, wirbt Media-Markt aktuell für Menschen, die „nicht blöd“, sondern taktisch, hartnäckig und nervtötend gegenüber wehrlosen Angehörigen ihren Konsumwunsch durchdrücken. (Foto: Lilac/pixelio)

„Die Spender der Zukunft“ hat das Marktforschungsinstitut YouGov aus Köln in der gleichnamigen Studie versucht zu ermitteln. Dafür befragten die Praxiswissenschaftler „repräsentativ“ und damit quasi fast alle Deutschen – außer vermutlich die rund 15.000 PEGIDA-Demonstranten aus Dresden vom vergangenen Montag. Huch, was ist denn da rausgerutscht?! Als ob dies Ergebnisse über Barmherzigkeit und Gabenbereitschaft negativ beeinflussen würde. Obwohl: Die Versammelten im sogenannten Elbflorenz treten zur Rettung des Abendlandes eher nach unten die Ärmsten statt eine Umverteilung von Großkopferten zu fordern. Denn dass ausgerechnet uns reichen Deutschen – zählt dazu eigentlich auch ein zugezogener Vereinskamerad aus Österreich? – die Ausländer die Haare vom Kopf fressen, klingt wie ein gezieltes Gerücht. Apropos Fressen: Dass Leute in diesem Land mehr für Tiere als für Kinder übrig haben, ist bekannt. Wie wohl die Sympathievergleichswerte zwischen Vieh und Flüchtling ausfallen? Dabei ist doch bald Weihnachten!

Wahre Weihnachtsgeschichten

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„Wenn ich noch lange so traurig gucken muss, kommen mir gleich wirklich die Tränen“. (Foto: pixelio) – Bild unten rechts: „Füttere mich, bitte füttere mich. Dann sabbere ich auf Deine frisch gewaschene Jeans.“ (Foto: M.Großmann/pixelio)

Zur Aufklärung lassen wir Zahlen sprechen: Jeder Asylbewerber wird demnächst durch das jüngst geänderte Gesetz einen auf monatlich 140 Euro Bargeld erhöhten Anspruch haben. Deutschland zählt zwar zu den Exportweltmeistern, nimmt aber proportional weniger Flüchtlinge auf als etwa Schweden. Eine Bedrohung des hiesigen Christentums durch die offizielle Zahl von 1.500 militanten Islamisten vermag ich nicht recht zu erkennen, zumal womöglich hierzulande lebende Moslems, selbst Gläubige, von deren Gebaren schätzungsweise ebenso genervt sind wie wir. Meine einfache Empfehlung für praktische Integration lautet an Einwanderer wie Eingeborene: erst die Sprache zur Verständigung erlernen (vermitteln), dann eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten (ausstellen), dann eine Arbeit bekommen (ermöglichen) und schließlich vom eigenen Einkommen eine Wohnung beziehen, Führerschein absolvieren, weiter in Bildung investieren (lassen). Am konkreten Beispiel habe ich dies bei einem von seinem Fußballteam unterstützten Syrier genau so schon erlebt. Merke: Die kleinste (guteTat zählt mehr als jeder Vorsatz. „Nur für heute werde ich eine gut Tat vollbringen, und ich werde es niemand erzählen“ – diese Maxime wird einem gew393535_web_R_K_B_by_M. Großmann_pixelio.deissen Angelo Guiseppe Roncalli zugewiesen, der von 1958 bis 1962 den Künstlernamen Johannes XXIII. als Papst annahm. Und schließlich fordert indirekt die christliche Weihnachtsgeschichte für Flüchtlinge, Maria und Josef, doch geradezu vernünftige Bedingungen. Also auch für hierher Verschlagene, was auch für Andersgläubige gelten sollte.

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„Wo ich doch so klein und hilflos bin“, bettelt dieser maskierte Frechdachs. (Foto: Silvio Namsler/pixelio)

Zweifel am Glauben, es gebe überwiegend gute Menschen ohne missionarische Absicht und Bedingung („Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag‘ ich Dir den Schädel ein!“), kommen mir mitunter allerdings beim versehentlichen Zappen in Programme wie  God TV (was an dieser wundersamen Wendy ist wohl wahr?) oder K-TV. Sektenhafter Singsang, bedenkenswerte Botschaften, angstmachende Ansagen, tiefgreifende Thesen („Ohne gelebtes Christentum ist keine – wirklich menschliche – Zivilisation möglich“) und wie Ablasshandel ausufernde Aufrufe zu  Testamentspenden („Ein solcher Beitrag für die Verkündigung der vollständigen und unverfälschten Wahrheit gemäss dem universalen Lehramt der katholischen Kirche, trägt bestimmt reiche Früchte, die im ewigen Leben für immer erhalten bleiben“). Für alle, die ein anständiges Leben führen und dafür in den Himmel kommen, wären dies Spenden ohne Not. Oder, wie Frank Zappa einst über ideologisch agitierte Religion und speziell über den kommunikativen Kreuzzug ihrer Büttel von amerikanischen TV-Evangelisten (Jimmy Swaggart) verkündete: „This is very dangerous Propaganda.“

Missio-Miseror konkurriert mit Krebshilfe-WWF

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„Hab‘ ich nicht recht? Ihr könnt‘ doch was geben!“: Hausierende Spendensammler vor der Türe des eigenen Heimes können – allzu stark fordernd – zur Plage werden. (Foto: Georg Haberecht/pixelio)

In Spendenorganisationen verbreitet zeigen sich christliche Kirchen auch in der YouGov-Studie: Misereor, Missio als internationales Katholisches Missionswerk oder Brot für die Welt konkurrieren hier mit Amnesty, Greenpeace, DRK, Krebshilfe, Unicef oder WWF. Den fetten Markt des Fundraising (fund = Kapital, raise = beschaffen), für den sich sogar ein eigener Verband mit Sitz ausgerechnet im spendenschwachen Berlin vor mehr als 20 Jahren gegründet hat mit dem heute ziemlich kulturellen Anspruch im Slogan „Für eine starke Kultur des Gebens“,– für dieses große Geschäftsfeld also marktforschte YouGov (You give?) nicht umsonst: Die Studie gebe Antwort auf Fragen etwa wie Organisation die Geberqualitäten von jungen Menschen entwickeln oder welche Kommunikationskanäle und welches zentrales Werbemedium bestens wirken. Vier wesentliche Ergebnisse geben die Marktforscher vorab kostenlos zur Kenntnis, denn für ihre komplette Untersuchung sind 4.350 Euro zu berappen (keine Spendenquittung möglich!):

  • Bayern und Baden-Württemberger spenden am meisten, Berliner am wenigsten.
  • Junge Bundesbürger fühlen sich neben Plakaten mehr durch Internet-Auftritte oder soziale Netzwerke zum Geben animiert und bedenken eher internationale Organisationen

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    Können solche Augen lügen? (Foto: M.Großmann/pixelio)

  • Insgesamt stehen bei den Deutschen aber Spenden für lokale Einrichtungen hoch im Kurs; so würde jeder zweite Bundesbürger an eine Einrichtung in unmittelbarer Nähe seines Wohnortes spenden.
  • Als Medien wirken allgemein betrachtet bei Deutschen vor allem Plakate, Tombolas, Fernsehsendungen, Internet und Social Media, während Spendenbriefe an Attraktivität verlieren und Haustürsammlungen nebst Telefonanrufe als unbeliebt ermittelt wurden.
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„Horch, was bringt der Esel rein?“ – „Wird doch wohl kein Flüchtling sein.“ (Foto: Harald Schottner/pixelio)

„Für nur national agierende Spendenorganisationen wird es in Zukunft schwieriger werden, junge Menschen als Spender zu gewinnen“, fasst YouGov-Vorstand Holger Geißler zusammen: „Um die Spendenbereitschaft dieser Zielgruppe zu steigern, muss man ihr mit den richtigen Ideen über geeignete Kanäle begegnen. Virales Marketing ist für das Erreichen Jüngerer dabei ein geeignetes Mittel.“ Finde ich ekelig abwegig, für eine womöglich gute Sache auf eine epidemische Verbreitung setzen zu müssen, nur weil der Erfolg gemessen am finanziellen Aufwand überproportional groß ausfallen kann. Eine Organisation, die glaubhaft transparent die gesammelten Mittel einsetzt, braucht kein Schischi, Pipapo und Heititei. Kampagnen mit Erinnerungswert und den Werkzeugen des Virusmarketings, in denen sich die wahre Marke hinter einem Fake versteckt, halte ich bei einem sozialen Zweck gar für hinterlistig. Ich will wissen, für wen und für was ich Geld gebe. Und es fällt mir schwer, diesen gerühmten Edeka-Viralspot auf den Bundesverband Deutsche Tafel zu übertragen:

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