Start 2016: Auftakt kraftvoller Ausdrücke und Auftritte

Vielversprechend gelang der Start 2016 als Jahr in Schimpf und Schande – durch einen Auftakt aus kraftvollen Ausdrücken und Auftritten, der damit die Hoffnung nährt auf zwölf Monate voller Wahrheit durch Wahnsinn. „Zu glauben, was man möchte“ stellt dazu die beste Voraussetzung dar, konstatierte der aussprachebeschränkte Hobbyphilosoph Til Schweiger schon vor vier Jahren (siehe Ausschnitt oben). Aber mit aktuellen Ausfällen zu Jahresbeginn wuppte sich der für seinen Nachnamen recht Wasserfall-gleich Mitteilungsreiche allerdings nicht allein ins Rampenlicht. Mit drastischen Formulierungen schafften auch die ehemalige Außenministerin und eben wahlkämpfende Präsidentschaftsanwärterin Hillary Clinton (USA) und der bisher eher unauffällige Generalsekretär Peter Tauber (CDU) den Sprung auf die Bühne der Öffentlichkeit. Ob das Trio neue Trends setzt mit der Verwendung offen und ehrlich gemeinter Schmähungen, die pöbelnde Promi-Proleten öffentlich in die Welt hinauskatapultieren?

Von „Hodentöter“ bis „Geschlechtsverkehr“

Fotograf: Tobias Koch www.tobiaskoch.net +++ Verwendung des Bildes nur unter Angabe des Urhebernachweises "Foto: Tobias Koch". +++ Kontaktadresse fŸr RŸckfragen: contact@tobiaskoch.net

Hier noch entspannter Politiker: Peter Tauber. Foto: Tobias Koch

Vorbei wähnte unsereins längst die Zeiten legendärer „Zwischenrufe von zwar falschen Vorbildern, aber zum Teil einfallsreich Wortgewandter à la Herbert Wehner, der dafür als SPD-Fraktionschef im Bundestag seltsamerweise gezählte 77 Ordnungsrufe sammelte. Detailreich überliefert umfasst sein Opus-haftes Œu­v­re vielfältige Ausdrucksformen vom einfachen „Schwein“ über „Strolch“, „Schleimer“, „Quatschkopf“ bis hin zum besonders hübschen Dreierpack aus „Lümmel“, „Übelkrähe“ und „Hodentöter“. Nicht nachstehen wollte da damals nie und nimmer Bayerns Ministerpräsident Franz-Josef Strauß mit knackigen Ansprachen an politische Gegner („Schnauze, Iwan!“) und allgemein ausufernden Attributen zwischen „hirnloser Schreiber“ über „roten Ratten“ und „verdreckten Vietcong-Anhänger, die (…) öffentlich Geschlechtsverkehr treiben“.

Start 2016 mit „Facebook-Pöbelei“

Alles akribisch dokumentiert im „Handbuch der Beschimpfungen“ inklusive Hitliste, Lexikon und parlamentarischem Schimpfwortschatz. Dort findet sich auch der historische Auftritt von Außenminister und Vizekanzler Joschka Fischers (Grüne) vor der gewissermaßen höchsten deutschen Volksvertreterversammlung beschrieben, wobei die Szene endet mit seinem „Ausrutscher“ (huch!) gegenüber Bundestagsvizepräsident Richard Stücklen: „Mit Verlaub, (…) Sie sind ein Arschloch“. Letztgenannten Begriff, laut Duden dezent ausgedrückt entweder für „After“ oder für „Person, auf die jemand wütend ist“ im Gebrauch, bemühte unlängst auch CDU-Generalsekretär Peter Tauber für einen Nutzer seiner Website, „nachdem dieser gefragt hatte, ob Tauber wisse, wie lange Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schon unter Geisteskrankheit leide“, berichtet hessenschau.de über die „Facebook-Pöbelei“. Lassen wir Loriot abschließend in einer kurzen Werbeunterbrechung für mehr Politiker-Schlagabtausch vor laufenden Kameras gekonnt das Duell in Szene setzen: Hodentöter-Rächer versus Hirnlosschreiber-Schreier:

Apropos in Szene setzen: Wie weise einst der echte Filmregisseur Quentin Jerome Tarantino zwar wie immer etwas crazy und doch richtig handelte, als er für „Inglourious Basterds“ die Rolle für den Schweiger-Til als auch sterbend still schweigenden und sonst nur tumb-brutalen Messermann ausgestaltete und mit dem diesmal ironisch überspitzt beknackten Titel und Namen als „Feldwebel Hugo Stieglitz“ ausstattete. Jener fiel jüngst wieder schreibend lärmvoll auf: Auf seiner Facebook-Fanpage mit 1,5 Millionen „gefällt mir“-Angaben, wo der als „SchauspielerIn/RegisseurIn“ bezeichnete, der mit eigener „Foundation“ ausgestattete und der eigentlich schon lange erledigte Fall mit Anfeindungen aggressiv konterte gegenüber „Trotteln, schwach und klein“ (Auszug). Seine gewohnt beherzte, gar beseelte Replik hier auf „Tatort“-Kritiker, in eigenen Worten als Gegenrede ein quasi „derbes Abfeiern“ des mit ihm als Kommissar „Nikolas ,Nick‘ Tschiller“ (sic!) besetzten Fernsehkrimis, spart auch nicht mit kollegialen Grüßen an die „moppeligen“ und „Bier zocken“den Ermittler aus Köln und München und befindet frank und frei, dass in der Sonntagabend-Serie „sonst meistens dummes Zeug gelabert wird“. Soweit, so gähn. Krawall-bewährt nach Aufmerksam gierend hat sich der mitunter auch ordentlich angetütert und benusselt Dahergelaufene zuletzt schon zu Sexualverbrechern und Flüchtlingen geäußert, worauf wir besser nicht weiter eingehen.

Bastard, Schwanzgesicht, Vollidiot

Während ein Kapitel des oben beschriebenen Basterds-Film den Titel „Die Rache des Riesengesichts“ trägt, lernen wir von Spitzenpolitikern der Ukraine unflätige Beschimpfungen wie „Schwanzgesicht“. Außenminister Deschtschytsja soll zumindest laut spiegel-online in Kiew einer demonstrierenden Frau in ihrer Kritik am russischen Kreml-Chef beigepflichtet und wörtlich bestätigt haben: „Jaja, Putin ist ein Chuilo.“ Unterdessen „rätselt die politische Szene des Landes“ (sic!) in den USA darüber, wer mit dem „größten Vollidioten“ im Auswärtigen Dienst gemeint sein könnte. Die durchaus berechtigte Frage kam am Silvestertag auf, als 5.500 weitere E-Mails aus dem Schriftverkehr von Hillary Clinton aus ihrer Zeit als Außenministerin veröffentlicht wurden. In einer der E-Mails soll ihr Berater Sidney Blumenthal den früheren US-Botschafter in Deutschland, John Kornblum, vor einem in seiner Kleingeistigkeit recht Großen im diplomatischen Dienst warnen. Keine Sorge: Auf ihrer Website (Screenshot unten) handelt „Hillary’s Story“ nicht davon. Grundsätzlich jedoch müssen wir gewarnt wie gespannt sein, ob das Jahr von Schimpf und Schande sich entwickelt. Geht’s gleich, wie in der Neujahrsnacht zwischen Dom und Hauptbahnhof in Köln, übergangslos über in körperliche Gewalt? Vorfälle wie dort dürften nicht nur Frauen an indische Verhältnisse erinnern. Denk‘ ich an Deutschland jetzt bei Nacht, braucht es eine Straßenwacht. Fehlende Hemmung statt zuvorkommende Höflichkeit. Falsche Vorbilder oder massenhafter Straßenauflauf – populistisch, pöbelnd, marodierend sollte uns beides himmelangst und höllenbange machen. Zumindest empfindlich wachsam, ohne pauschal in Panik zu verfallen.

hillary

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Kommentare zu Start 2016: Auftakt kraftvoller Ausdrücke und Auftritte

  1. Pingback: Aufrichtiger Ausblick aufs Jahr 2017 - Garbers Gazette

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