Der Wert der Werte in der Unternehmensführung

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Gelebte Werte in der Unternehmensführung steuern besser „als nackte Kennzahlen“, behauptet die Universität Witten/Herdecke in einer Einladung zum dortigen Symposium des Reinhard-Mohn-Instituts (RMI) am heutigen Dienstag. Nun nutzt der Termin zwar leider nur Kurzentschlossenen, doch die Botschaft der dort vorgestellten Untersuchung klingt nach Dauerhaftem. Für die Studie, die im Auftrag der „Wertekommission – Initiative Werte Bewusste Führung e.V.“ (sic!) entwickelt wurde, befragten die Forscher 350 Manager aus verschiedenen Hierarchieebenen von Unternehmen. Ein Ergebnis:  Werte im Unternehmen dienen als Orientierungshilfe für Mitarbeiter, die zunehmend eigenverantwortlich arbeiten müssen. Klar, wir denken sofort an ein Schiff, auf dem der Kapitän anhand des Kompass (im Bild; Foto: DL Consulting/pixelio.de) den Kurs vorgibt. Nur rudert die Besatzung heute nicht mehr stumpf und stumm nach Trommeltakt und mit Peitschenhieben. Für die Fahrtrichtung müssen mittlerweile mittels interner Kommunikation möglichst alle mitgenommen werden. Auch Kunden interessiert, wohin es geht. Anders formuliert:

„Führungskräfte, die Werte auch selber leben und verkörpern, können im Idealfall auf engere Kontrollen verzichten und die Motivation der Mitarbeiter steigern“, verspricht Prof. Dr. Michèle Morner, wissenschaftliche Leiterin des Reinhard-Mohn-Instituts für Unternehmensführung und Corporate Governance:  „Ganz abgesehen davon, dass heute viele Zusammenhänge aufgrund ihrer Komplexität ohnehin nicht mehr kontrollierbar sind.“ Ganz genau! Ein Firmenpatriarch allein kann kaum den Kurs selbstherrlich bestimmend vorgeben, dabei alles überwachen und auch noch erfolgreich dabei sein. Im Gegenteil: Wenn die Ziele des Unternehmens den persönlichen Werten widersprechen, werden Mitarbeiter demotiviert, der Kontrollaufwand steigt und im Extremfall kündigen sie. Wie das zu vermeiden ist und warum die Etablierung von bestimmten Werten in Unternehmen trotzdem wichtig ist, sollen die Teilnehmer der Tagung diskutieren. Impulse dafür liefern unter anderem der Schuhhändler und Unternehmer Heinrich Deichmann, Synaxon-Vorstandschef Frank Roebers und Nestlé-Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Dr. Werner J. Bauer. Das Grußwort hält Liz Mohn, Mitglied des Vorstands Bertelsmann Stiftung.

Sicher, die Erkenntnis wird als selbstverständlich gehandelt: Werte gelten für die Steuerung eines Unternehmens als Motor von zentraler Bedeutung. Laut Studienautoren bilden sie „schließlich die Grundlage für Einstellungen und Motivation der Mitarbeiter und beeinflussen bis zu 90 Prozent auch deren Handeln“. Die Wissenschaftler wollten in der Untersuchung wissen, ob die persönlichen Werte von Führungskräften mit denen ihrer Unternehmen übereinstimmen. Und wie das die Motivation hebt oder senkt. Die Ergebnisse der Erhebung zeigen, dass eine Werte-Diskrepanz zwischen Mitarbeitern und Unternehmen zu mangelnder Motivation und Kooperationsbereitschaft führt. Außerdem zeigt sich, dass gut ausgearbeitete Compliance-Mechanismen im Gegensatz zu sturen Regelwerken sich positiv auf die Motivation und Kooperationsbereitschaft auswirken. Oder wie Prof. Morner sagt: „Wir wollen neue Wege zum Umgang mit Werten und deren Bedeutung für die Unternehmenssteuerung aufzeigen.“ Ein starrer Fokus auf Kennzahlen und Kontrolle sei angesichts der Komplexität in Unternehmen „längst überholt“. Und wie Orientierung schaffende Werte mit positiven Effekt für Motivation und für Kooperationen erst in der Unternehmenskommunikation deutlich gemacht werden könnten. Es ist ein Jammer, dass dies noch so wenigen Führungen beherzigen.

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